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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Insgesamt elf Tote und mehrere Schwerverletzte in Hanau: Nach dem Anschlag hat Innenminister Seehofer stärkere Polizeipräsenz angekündigt.

Elf Tote nach Schüssen in Hanau; Foto: picture alliance/Boris Roessler/dpa

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kam nach Hanau

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Der Bundesinnenminister (CSU) kündigte an, die Polizeipräsenz in ganz Deutschland erhöhen. „Wir werden sensible Einrichtungen verstärkt überwachen, insbesondere auch Moscheen“, sagte Seehofer.

Stärkere Überwachung mit Hilfe der Bundespolizei

Die Bundespolizei werde dafür die Länder mit Personal und Ausrüstung unterstützen. „Und wir werden eine hohe Präsenz der Bundespolizei an Bahnhöfen, Flughäfen und im grenznahen Raum gewährleisten.“ Für die Tat von Hanau fand er klare Worte und bezeichnete sie als „eindeutig rassistisch motivierten Terroranschlag“. Es sei der „dritte rechtsterroristische Anschlag in wenigen Monaten“.

Die Gefährdungslage durch Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus in Deutschland sei sehr hoch, sagte Seehofer. Wegen der Angst vor möglichen Trittbrettfahrern, Wut und Emotionalisierung habe er mit den Innenministern der Länder darüber gesprochen, wie die Bevölkerung besser geschützt werden solle.

Steinmeier: „Lassen uns nicht einschüchtern“

Elf Tote nach Schüssen in Hanau; Foto: picture alliance/Uwe Anspach/dpa

Bundespräsident Fran-Walter Steinmeier bei der Trauerfeier in Hanau

picture alliance/Uwe Anspach/dpa

Am Tag nach dem Terroranschlag in Hanau hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine klare Botschaft: „Wir stehen als Gesellschaft zusammen, wir lassen uns nicht einschüchtern, wir laufen nicht auseinander.“

Tausende Menschen hatten am Donnerstagabend bei einer Mahnwache der Opfer des Anschlags gedacht. Steinmeier sagte, der „brutale Terroranschlag“ in der hessischen Stadt mache „fassungslos, traurig und zornig“. Er erinnere in fataler Weise an den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sowie an den Anschlag auf die Synagoge in Halle.

Bundeskanzlerin Merkel sagte in Berlin: „Rassismus ist ein Gift, der Hass ist ein Gift. Und dieses Gift existiert in unserer Gesellschaft. Und es ist Schuld an schon viel zu vielen Verbrechen. Von den Untaten des NSU über den Mord an Walter Lübcke bis zu den Morden von Halle.“

Auch viele andere Politiker sehen ein vergiftetes politisches Klima als eine der Ursachen für die Tat und blicken dabei vor allem auf die AfD.

Schüsse vor Shisha-Bar am Mittwochabend

Elf Tote durch Schüsse in Hanau; Foto: picture alliance/Boris Roessler/dpa

Ein SEK-Beamter sichert an einem der Tatorte Spuren.

picture alliance/Boris Roessler/dpa

Die tödlichen Schüsse fielen gegen 22 Uhr am Mittwochabend in zwei Shisha-Bars und vor einem Kiosk im hessischen Hanau bei Frankfurt. Neun Menschen starben dort, sie alle haben einen Migrationshintergrund. Sechs weitere Personen seien durch die Schüsse verletzt worden, eine davon schwer.

Das hessische Landeskriminalamt hat mittlerweile die Nationalitäten der Todesopfer bekannt gegeben: Drei von Ihnen haben die deutsche Staatsangehörigkeit, zwei die türkische, außerdem je einer die bulgarische und die rumänische. Eines der Opfer kam aus Bosnien-Herzegowina, ein weiteres hatte einen deutschen und einen afghanischen Pass

Generalbundesanwalt: Todesschütze hatte „zutiefst rassistische Gesinnung“

Der Generalbundesanwalt Peter Frank in Karlsruhe übernahm noch in der Tatnacht die Ermittlungen. Er sagte, Videobotschaften des mutmaßlichen Täters und eine Art Manifest auf dessen Internetseite wiesen „wirre Gedanken und abstruse Verschwörungstheorien“ auf.

Seine Behörde prüfe nun, ob es bei dem Anschlag Mitwisser oder Unterstützer gegeben habe. „Dafür werden das Umfeld und die Kontakte des mutmaßlichen Täters im In- und Ausland abgeklärt“, sagte Frank. Das Bundeskriminalamt übernehme die polizeilichen Ermittlungen, unterstützt vom Hessischen Landeskriminalamt.

Bundeskanzlerin verurteilt „rassistische Motive“

Politiker aller Parteien haben sich entsetzt über die Tat geäußert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dem Hanauer Bürgermeister Claus Kaminsky (SPD) am Telefon ihre Anteilnahme ausgedrückt und sich auf einer Pressekonferenz klar gegen Rassismus gestellt.

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Mutmaßlicher Täter soll sich und Mutter getötet haben

Der mutmaßliche Täter, nach Angaben von Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) ein 43-Jähriger Deutscher aus Hanau, handelte offenbar allein. Er wurde von der Polizei erst Stunden nach den Schüssen tot in seiner Wohnung gefunden, zudem auch die Leiche seiner Mutter. Offenbar hat der Sportschütze erst die 72-Jährige und dann sich selbst erschossen. „Die Tatwaffe wurde bei dem mutmaßlichen Täter gefunden“, sagte Beuth.

Der Mann sei vor seiner Tat unauffällig gewesen. Er sei weder als fremdenfeindlich bekannt noch polizeilich auffällig gewesen. Beuth verurteilte die Gewalttat: „Das ist ein Anschlag auf unsere freie und friedliche Gesellschaft“.

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Wirres Video des mutmaßlichen Attentäters

Elf Tote durch Schüsse in Hanau; Foto: picture alliance/Boris Rössler/dpa

Der mutmaßliche Schütze ist nach der Tat tot aufgefunden worden.

picture alliance/Boris Rössler/dpa

Vor wenigen Tagen hat der mutmaßliche Täter offenbar ein Video bei YouTube veröffentlicht. In dem Clip spricht der Mann in fließendem Englisch von einer „persönlichen Botschaft an alle Amerikaner“.

Der Inhalt des Videos ist wirr: Darin sagt der Mann, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände „jetzt kämpfen“.

Erste Erkenntnisse über mutmaßlichen Attentäter; Foto: SWR3

Nachrichten Erste Erkenntnisse über mutmaßlichen Attentäter

Dauer

Eine mögliche Gewalttat in Deutschland spricht der spätere mutmaßliche Schütze aber nicht an. Auch zum Geisteszustand des mutmaßlichen Schützen gibt es keine Angaben.

Report Mainz: Teile von „Manifest“ schon 2019 verfasst

Reportern der SWR-Sendung Report Mainz liegt eine EMail des mutmaßlichen Täters vor, mit der dieser sich Ende 2019 an den Leiter eines nicht näher genannten „Instituts“ gewandt hatte – die Organisation beschäftigt sich mit sogenannter Fernwahrnehmung, einer bestimmten Form des Hellsehens. Nach Angaben des Leiters wollte der mutmaßliche Täter Hilfe, weil er sich beobachtet und bespitzelt gefühlt habe. In dem Schreiben spricht der Mann von einer „ständigen Ausländerkriminalität“ und „Hochverrat“ an Deutschen.


Der Leiter des „Instituts“ teilte dem SWR schriftlich mit: „Mir war von Anfang an klar, dass die Person nicht ganz ‚dicht‘ ist, daher habe ich versucht, sämtlichen Kontakt zu meiden. Auf diverse E-Mails habe er nicht geantwortet.

Erste Meldungen von Schüssen gegen 22:00 Uhr

Elf Tote nach Schüssen in Hanau; Foto: picture alliance/---/Google/dpa

Beide Tatorte in Hanau liegen nicht weit auseinander.

picture alliance/---/Google/dpa

Um 22:00 Uhr am Mittwochabend meldeten Zeugen die ersten Schüsse am Hanauer Heumarkt. Etwa zwei Kilometer weiter, in Hanau-Kesselstadt fielen später weitere Schüsse. Auch von einer dritten Schießerei im Stadtteil Lamboy war die Rede – das hat sich aber nicht bestätigt.

Der erste Tatort ist eine Shisha-Bar in der Innenstadt von Hanau, am Heumarkt. Hier sehen Zeugen nach den Schüssen ein dunkles Fahrzeug davonfahren. Stundenlang suchte die Polizei nach dem oder den Schützen.

Shisha-Bar und Kiosk werden zum Tatort

Elf Tote nach Schüssen in Hanau; Foto: picture alliance/Boris Rössler/dpa

An einem der Tatorte in Hanau sind Schüsse auf ein Auto gefallen.

picture alliance/Boris Rössler/dpa

Der zweite Tatort liegt etwa fünf Minuten mit dem Auto vom Heumarkt entfernt – der Stadtteil Kesselstadt. Dort fielen weitere Schüsse in einer Shisha-Bar und vor einem Kiosk. Der Sohn des Kioskbesitzers sagte der Deutschen Presseagentur: „Ich habe erstmal einen Schock bekommen.“ Die Opfer seien Leute, „die wir jahrelang kennen“.

Auch das Netz ist geschockt von der Gewalttat in Hessen. „Die Geschehnisse in #Hanau machen uns sehr betroffen. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und allen am Einsatz beteiligten Kollegen“, twitterte zum Beispiel die Polizei Berlin.

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Politiker tief betroffen

Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte: „Die Gedanken sind heute morgen bei den Menschen in #Hanau, in deren Mitte ein entsetzliches Verbrechen begangen wurde. Tiefe Anteilnahme gilt den betroffenen Familien, die um ihre Toten trauern. Mit den Verletzten hoffen wir, dass sie bald wieder gesund werden.“ Diese Wünsche teilten auch Politiker auf Twitter, wie zum Beispiel die Hanauer Bundestagsabgeordnete Katja Leikert (CDU).

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SPD-Politiker spricht von Rechtem Terror

Die Bundesvorsitzende der SPD, Saskia Esken, sprach bei Twitter von rechtem Terror in Deutschland – und auch EU-Vizepräsidentin Katharina Barley äußerte sich per Kurznachricht:

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Auch der SPD Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby aus Halle hat sich bei Twitter zu Wort gemeldet: „Sprechen wir es aus: Das ist Terror in Hanau“. Erst vor wenigen Wochen war sein Büro angegriffen worden. In einer Scheibe wurden mehrere Einschusslöcher gefunden, Diaby bekam eine Morddrohung.

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