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Die EU-Kommission will die Zeitumstellung abschaffen – und das ziemlich schnell. Nach Oktober 2019 sollen die Länder selbst entscheiden, ob sie bei Sommer- oder Winterzeit bleiben. Es droht ein Flickenteppich.

Mann hängt an der Uhr; Foto: dpa/picture alliance

Die EU-Bürger scheinen nicht an der Zeitumstellung zu hängen, allen voran die Deutschen nicht.

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Kommissions-Präsident Jean-Claude Juncker hatte es bereits vor einigen Tagen angekündigt. Nun wurden die Pläne der EU-Kommission zum Ende der Zeitumstellung offiziell vorgestellt. Demnach soll der Zwang zur Umstellung im Oktober 2019 enden, erklärte EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc am Freitag in Brüssel. Danach stehe es jedem Mitgliedsland frei, ob es bei Sommer- oder Winterzeit bleibe.

Ein theoretisches Ergebnis dieser Vorgehensweise wäre, dass es in Europa einen Flickenteppich aus unterschiedlichen Zeitzonen gibt. Bulc ergänzte in ihrer Erklärung aber, dass die Kommission darauf setze, dass sich die EU-Länder mit ihren Nachbarn abstimmen.

Mitgliedsstaaten sollen im April entscheiden

Dennoch gilt dieser Vorschlag bei Beobachtern als ungewöhnlich, weil die EU-Kommission eigentlich dafür bekannt ist, dass sie Regeln und Standards in Europa vereinheitlicht. Einen Vorschlag, bei welcher der beiden Zeiten die Mitgliedsländer bleiben sollen, gibt es von der EU-Kommission nicht.

Bis April müssten sich die Mitgliedsstaaten entscheiden, so sieht es der Plan der EU-Kommission vor. Das jetzt alles so schnell gehen soll, begründet die Kommission mit der großen öffentlichen Unterstützung für die Abschaffung der Zeitumstellung.

Vor allem die Deutschen wollen nicht mehr

In einer EU-Umfrage hatten sich mehr als 80 Prozent dafür ausgesprochen, die Zeitumstellung abzuschaffen. Die Umfrage war mit 4,6 Millionen Teilnehmern die bislang erfolgreichste in der EU-Geschichte. Zwar kommen zwei Drittel der Teilnehmer aus Deutschland – das mindere aber nicht den Wert der Umfrage, betonte ein EU-Parlamentarier gegenüber der ARD. Denn immerhin stammen 1,6 Millionen Teilnehmer auch aus anderen EU-Staaten.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. „Ich freue mich, wenn die EU-Kommission dieses Votum ernst nimmt“, sagte sie. Es sollte auch etwas aus einer solchen Abstimmung folgen. Sie selbst hätte dafür eine „sehr hohe Priorität“. Ob Deutschland bei der Sommerzeit oder der Winterzeit bleibt, ist bislang noch unklar. Aus dem Wirtschaftsministerium heißt es, dass man sich „demnächst“ damit beschäftigen will.

Hey Nachbar, wie spät ist es bei dir?

Einige europäische Nachbarn haben übrigens schon jetzt unterschiedliche Uhrzeiten: Portugal und Spanien sowie Finnland und Schweden. In diesen Ländern liegt es allerdings daran, dass sie in unterschiedlichen Zeitzonen liegen.