Autor
Tim Stobbe
Tim Stobbe, SWR3; Foto: SWR3
Stand:

Es wird ernst für die Initiative „Rettet die Bienen“: Die Unterstützer sammeln in Baden-Württemberg Unterschriften für ein Volksbegehren. Aus Landwirtschaft und Politik kommt jedoch teils heftige Kritik.

Die Initiative „Pro Biene“ fordert unter anderem den Anteil der mit Pestiziden belasteten Flächen bis 2025 zu halbieren, stärkeren Bestandsschutz für Streuobstwiesen und die landeseigenen Äcker sollen alle ökologisch bewirtschaftet werden. Daneben soll die ökologische Landwirtschaft auf 50 Prozent im Jahr 2035 ausgebaut werden. Im Moment sind es 14 Prozent.

Selbst Bio-Spritzmittel nur in Ausnahmefällen

Kritik an dem Vorhaben kommt zum Beispiel von Bauer Thomas Romer aus Litzelstetten bei Konstanz. Neben konventionellen Früchten baut er zum Teil Bio-Obst an. Sein Problem: Viele seiner Flächen stehen unter Naturschutz. Die Forderungen des Volksbegehrens hätten zur Folge, dass er dort gar keine Spritzmittel mehr verwenden dürfte – selbst biologische nur noch in Ausnahmefällen. Doch aus Romers Sicht sind die notwendig.

Wie und warum Thomas Romer seine Bio-Pflanzen pflegt und schützt, zeigt das Video:

Im Bio-Anbau würden Mittel wie Schwefel, Kupfer oder Chrysanthemen-Extrakt gegen Pilze und Schädlinge eingesetzt. Und nicht wenig, sagt Romer: „Die Bio-Plantage, die müssen wir bis zu fünf-, sechsmal mehr spritzen.“ Denn konventionelle Mittel würden länger wirken, Bio-Mittel wasche der Regen schneller ab.

Keine Kompromissbereitschaft bei Volksbegehrensvertretern

Doch die Vertreter des Volksbegehrens bleiben dabei: In Schutzgebieten haben Spritzmittel aus ihrer Sicht nichts zu suchen. Romer, der auch auf konventionelle Art anbaut, betont, er nutze ohnehin möglichst wenig Pestizide: „Die Pflanzenschutzmittel, die kosten Geld. Wir gucken, dass wir so wenig wie möglich davon ausbringen.“

Widerstand in der Politik – auch bei den Grünen

Die Regierungsparteien nehmen die Bedenken ernst. Die CDU steht dem Volksbegehren ohnehin sehr skeptisch gegenüber. Aber auch bei den Grünen regt sich Widerstand. Martin Hahn, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion und selbst Öko-Bauer, hat vor einem ruinösen Preiswettbewerb in der Bio-Branche gewarnt.

Auf ihrem Parteitag am Wochenende in Sindelfingen stimmten die Grünen für einen Antrag, der sich gegen das angestrebte Pestizidverbot in Schutzgebieten wendet. Damit werde das Verbot auf rund ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche Baden-Württembergs ausgeweitet. Landesregierung und Grünen-Landtagsfraktion würden damit aufgefordert, mit den Initiatoren des Begehrens zu reden, um das Pestizidverbot in Schutzgebieten „praxistauglich“ zu gestalten.

Prominenter Unterstützer springt ab

Bis vor kurzem unterstützte auch das Tettnanger Outdoor-Unternehmen Vaude das Volksbegehren. Die Initiative durfte zum Beispiel mit dem Firmenlogo die Unterstützung auf Plakaten zeigen. Das darf sie nun nicht mehr. Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz sagte dem SWR, die Existenzängste vieler regionaler Landwirte und auch landwirtschaftlich tätiger Mitarbeiter hätten sie im Rahmen eines Runden Tisches betroffen gemacht und zu dem Schritt bewogen. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht.

Sven Prange, Koordinator für das Volksbegehren, sagte dem SWR, das Unternehmen habe deutlich gemacht, die Initiative weiter inhaltlich unterstützen zu wollen. Aber es wolle vor Ort nicht polarisieren, dafür habe man Verständnis, so Prange.

Rettet die Honigbiene? Totaler Quatsch!

Du hast DNT aktiviert. Wir stellen die Verbindung zu Facebook erst her, wenn du dies erlaubst. Die Einwilligung ist freiwillig und gilt nur temporär. Mehr dazu findest du in unseren Datenschutzhinweisen.
Den Beitrag bei Facebook ansehen.