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Schon zu Beginn des Jahres geht es rund im Weißen Haus. Grund ist ein Buch. Trump will es eigentlich verbieten lassen – der Autor bringt es deshalb schon früher raus.

Das umstrittene „Enthüllungsbuch“ über das Weiße Haus und US-Präsident Donald Trump kommt früher auf den Markt als geplant. Das hat der Autor, Michael Wolff, bestätigt. Eigentlich sollte es erst nächste Woche erscheinen. Trumps Anwälte hatten allerdings damit gedroht, die Veröffentlichung zu stoppen. Entsprechende Verfügungen sollen schon verschickt worden sein.

Aus Sicht des Autors ist die vorgezogene Veröffentlichung ein cleverer Zug, da die Gerichte auch in den USA wohl nicht schnell genug sind, das Buch trotzdem rechtzeitig zu verbieten.

Warum die Aufregung?

In dem Buch wird unter anderem gesagt, Trump und sein Umfeld hätten bis zuletzt nicht geglaubt, dass er wirklich die Präsidentschaftswahl gewinnt. Selbst in der Wahlnacht: Trump sei nach den ersten Prognosen geschockt gewesen, seine Frau Melania habe geweint, heißt es.

Außerdem ist das bisher nicht veröffentlichte Buch der Grund dafür, dass Trump wohl endgültig mit seinem ehemaligen Chefstrategen Bannon gebrochen hat. Darin sind nämlich auch Aussagen von Bannon, vor allem über Trumps Sohn. Der hatte sich laut Buch im Wahlkampf 2016 mit einer russischen Anwältin getroffen – in der Hoffnung, dass sie ihm Informationen über die US-Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, liefert. Aber, sagt Steve Bannon jetzt, Trumps Sohn habe sich unpatriotisch und verräterisch verhalten. Und es gehe auch um Geldwäsche.

Trumps Reaktion gestern: „Steve Bannon hat nichts mit mir oder meiner Präsidentschaft zu tun. Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand.“ Außerdem habe Bannon nur eine sehr kleine Rolle bei Trumps Sieg gespielt, weil er erst spät dazugestoßen sei.

Trump und Bannon: Das war mal ein Team

Gefeuert – das war vor einem halben Jahr. Davor hatte man lange den Eindruck, dass kein Blatt Papier zwischen die beiden passt: Donald Trump, der Präsident (-schaftskandidat) und Steve Bannon, das rechtspopulistische Mastermind hinter dessen Kampagne. Vor einem halben Jahr kam plötzlich der Rauswurf.

Bannon war seit August 2016 Trumps Chefstratege. Für den Präsidenten war er im Wahlkampf die Garantie dafür, dass ihn viele Ultra-Nationalisten wählen, zu denen auch Bannon zählt. Ihm gehört außerdem die Rechtsaußen-Nachrichtenseite Breitbart, auf der auch des öfteren Fake-News veröffentlicht werden. Auch die Webseite hat möglicherweise zu der Stimmung beigetragen, die Trump zum Wahlsieg verholfen hat.

Steve Bannon im Büro bei Donald Trump; Foto: imago

Noch alles okay: Bannon an Trumps Schreibtisch

imago

Zweifel am Inhalt des Buchs

Das Buch hat auf jeden Fall für viel Aufregung gesorgt. Was man aber dazu sagen muss: Der Wahrheitsgehalt ist nicht unumstritten. Michael Wolff wurde schon mehrmals vorgeworfen, bei anderen Buchprojekten Zitate falsch wiedergegeben zu haben. SWR3-Korrespondent Torsten Teichmann geht deshalb davon aus, dass die Geschichte noch lange nicht auserzählt ist. Vermutlich werde der Autor unter Druck geraten, Aufzeichnungen und Mitschnitte herauszurücken, um die Zitate auch wirklich belegen zu können, meint Teichmann. Und zum anderen werden wohl Trumps Kritiker versuchen, Steve Bannon, den sie vorher jahrelang kritisiert haben, als Kronzeugen gegen den Präsidenten heranzuziehen.