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Lena Seiferlin
Lena Seiferlin, SWR3; Foto: SWR3
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Illegale Drogen zu nehmen, ist ein Tabu. Abhängige werden stigmatisiert, viele wissen nicht, wohin. Sie konsumieren unter unhygienischen Bedingungen, in irgendwelchen Ecken, ausgestoßen. In Karlsruhe ist das Vergangenheit: Hier können sie den ersten Drogenkonsumraum Baden-Württembergs nutzen.

Ein legaler Raum, in dem Menschen Illegales tun? Auf den Drogenkonsumraum in Karlsruhe trifft das zu – einerseits. Andererseits finden Abhängige hier hygienische Bedingungen vor und können ihr Rauschgift unter Aufsicht einnehmen. Eine große Erleichterung für viele.

Kahl, ungemütlich – und dafür hygienisch

Der Raum ist kahl eingerichtet, ohne Charme. Er soll wirklich nur dazu dienen, die eigenen, selbst mitgebrachten Drogen einzunehmen. An der Wand steht ein langer Tisch aus Metall, davor vier Stühle, über jedem Platz ein Spiegel, Trennwände, angekettete Scheren an der Wand.

Mit den Scheren können die Besucherinnen und Besucher eingewickelte Rauschmittelportionen öffnen, erklärt Sozialarbeiter Eric Kramer. Im Spiegel können sie Venen finden. Außerdem stehen für sie diverse Utensilien für den Konsum zur Verfügung, zum Beispiel Löffel, Feuerzeug sowie Röhrchen und Karten zur Kokaineinnahme.

In sechs Bundesländern gibt's schon Drogenkonsumräume

Der Drogenkonsumraum von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) war in der grün-schwarzen Regierung von Baden-Württemberg umstritten. Vor allem die CDU hatte Bedenken. Doch nach dem Betäubungsmittelgesetz ist so ein Raum rechtes, sofern das Land eine entsprechende Verordnung erlässt. Drogenkonsumräume gibt es schon in Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und im Saarland.

Viele Abhängige aus Baden-Württemberg gingen bisher nach Straßburg, wo einer der nächsten Räume liegt. In Karlsruhe liegt die Einrichtung direkt neben einem Kontaktladen für Suchtkranke, den es schon länger gibt.

Wer die Regeln missachtet, bekommt Hausverbot

Wer den Drogenkonsumraum nutzen will, muss vorher zu einem Erstgespräch gehen. Dann gibt es eine Nutzungsvereinbarung. Vor Ort sind immer auch eine Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter sowie eine Krankenpflegerin oder ein Krankenpfleger. Die Hygienevorschriften und Regeln sind streng. Wer sie bricht, bekomme Hausverbot, sagt Sozialarbeiter Kramer.

Im Kontaktladen nebenan gibt es dann einen Aufenthaltsraum für die Phase nach dem Konsum. Die Menschen dort hatten vor der Einrichtung des Raums unterschiedlich reagiert. „Gestern waren welche bei uns, die gleich rein wollten“, sagt Petra Krauth, die den Kontaktladen leitet.

Andere hätten Angst, etwa davor, dass die Polizei sie direkt vor dem Raum abfängt. Dass das nicht passiere, sei aber abgesprochen worden. Auch die Nachbarschaft und eine Schule waren zuvor informiert worden. Niemand habe sich gegen den Drogenkonsumraum ausgesprochen.