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Unbetäubt ausbluten lassen – Tierquälerei oder religiöses Ritual? Der Europäische Gerichtshof gibt der Religionsfreiheit recht: Schächten in zugelassenen Schlachthöfen ist ok.

Mehrere islamische Vereinigungen und Moschee-Dachverbände aus Belgien hatten die Region Flandern 2016 verklagt, weil sie das Schächten ohne Betäubung in temporären Schlachtstätten verboten hatte. Der Europäische Gerichtshof hat nun geurteilt, dass rituelle Schlachtungen ohne Betäubung nur in zugelassenen Schlachthöfen vorgenommen werden dürfen.

Religionsfreiheit oder Tierquälerei?

Das Urteil soll einen Ausgleich herstellen zwischen Tierschutz einerseits und der Religionsfreiheit andererseits. Viele Muslime sehen es als ihre religiöse Pflicht an, während des islamischen Opferfest ein Tier schlachten zu lassen. Vor dieser rituelle Schlachtung wird das Tier nicht betäubt. Tierschützer sprechen von Tierquälerei.

Der EuGH urteilt, dass solche Schlachtungen, ohne dass das Tier vorher betäubt wird, ausnahmsweise erlaubt sind, wenn sie aus religiösen Gründen vorgenommen werden. Das gebiete die Religionsfreiheit. Allerdings müsste auch der Schutz der Tiere beachtet werden. Deshalb dürfen solche Schlachtungen nur in zugelassenen Schlachthöfen erfolgen. Diese Schlachthöfe werden von den Behörden beaufsichtigt und müssen etliche Bedingungen erfüllen, unter anderem was das Lagern und Kühlen des Fleisches betrifft. Auch in Deutschland ist das rituelle Schächten von Tieren nur ausnahmsweise erlaubt, nur wenn eine spezielle Genehmigung von deutschen Veterinärbehörden vorliegt.

Schächten im Islam und Judentum

Das Schächten ist eine in Islam und Judentum vorgeschriebene rituelle Schlachtmethode, die den Verzehr von unblutigem Fleisch ermöglicht. Dabei werden den Tieren die Halsschlagadern sowie die Luft- und Speiseröhre mit einem Schnitt durchtrennt. Auf eine Betäubung wird verzichtet, so dass das Tier wegen des noch aktiven Kreislaufs vollständig ausbluten kann. Der Genuss von Blut ist in beiden Religionen verboten.