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Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt, SWR3; Foto: SWR3
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Die Grünen triumphieren bei der Europawahl – Union und SPD müssen Verluste einstecken. Du willst wissen, welche Partei in deiner Stadt oder Gemeinde das Rennen gemacht hat? Hier kannst du nachschauen.

Dass die Grünen bei der Europawahl stark abschneiden würden, hatte sich schon vor der Wahl abgezeichnet. Doch dass es ein derart gutes Ergebnis werden würde, dürfte viele dann doch überrascht haben - auch die Grünen selbst. Erstmals liegt die Partei bei einer bundesweiten Wahl klar vor der SPD. Die Grünen konnten vor allem junge Wähler überzeugen. Bei den Wähler zwischen 18 und Mitte 40 ist die Partei klar die stärkste Kraft.

Die Union ist nur noch bei den über 60-Jährigen die Nummer eins. Die SPD hat in allen Altersgruppen deutlich verloren.

Das ist das vorläufige Ergebnis der Europawahl:

Das vorläufige amtliche Endergebnis der Europawahl.; Foto: ARD

Das vorläufige amtliche Endergebnis der Europawahl.

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SPD und CDU müssen mit Wahlschlappe umgehen

Während das Wahlergebnis für die Grünen Grund zur Freunde ist, beraten Union und SPD wie sie mit der Schlappe umgehen wollen. Die SPD will am 3. Juni in Klausur gehen. „Der Ernst der Lage ist allen klar“, sagte Parteichefin Andrea Nahles.

Union will Klimapolitik ernster nehmen

Bei der Union wurden mittlerweile Fehler eingeräumt. Annegret Kramp-Karrenbauer erklärte, dass es nicht gelungen sei, in der Wahlkampagne eigene Kompetenzthemen in den Mittelpunkt zu stellen. Man habe sich nun einen Zeitrahmen von rund eineinhalb Jahren gesetzt, in dem sich die CDU verbessern müsse.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek rief die Union auf, in den nächsten Monaten der Klima- und Umweltpolitik noch mehr Gewicht zu geben. Die CDU-Politikerin sagte: „Dabei müssen wir deutlich machen, was bisher erreicht wurde und welche großen Anstrengungen bereits laufen. Dies ist bei den Bürgern und auch gerade bei den jüngeren Menschen offensichtlich zu wenig bekannt.“

Ein Video von Youtuber Rezo mit rund 12 Millionen Views hatte der Union in den sozialen Medien kurz vor der Abstimmung ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

AfD will Europa „reduzieren“

Die AfD konnte bei den Wahlen zulegen, jedoch weniger als in Umfragen vorhergesagt. Die Partei, die als einzige im Bundestag vertretene Kraft einen wirklich EU-kritischen Wahlkampf machte, kommt auf 11,0 Prozent – vor fünf Jahren lag die AfD bei 7,1 Prozent. „Wir gehen nach Brüssel, um die EU zu reparieren, um sie auf ihre Kernaufgaben zu reduzieren“, sagte Spitzenkandidat Jörg Meuthen.

Lindner: FDP ist „kleiner Wahlgewinner“

Die FDP konnte ihr Ergebnis von 2014 ebenfalls verbessern. Sie kommt nun auf 5,4 Prozent - nach 3,4 Prozent im Jahr 2014. Parteichef Christian Lindner sieht es positiv: „Wir sind heute Abend kein großer Wahlgewinner, aber wir sind ein kleiner Wahlgewinner.“

„Gegensteuern und Ergebnisse liefern“

Welche Schlüsse die Parteien aus dem Wahlergebnis ziehen, wird sich zeigen. Das Motto für die große Koalition müsse aber lauten: „Gegensteuern und Ergebnisse liefern“, kommentiert SWR-Redakteur Dirk Rodenkirch:

Hohe Wahlbeteiligung

Das Interesse an der Europawahl war diesmal so hoch wie lange nicht. Die Wahlbeteiligung lag in Deutschland bei 61,4 Prozent – ein Rekord seit der Wiedervereinigung. Auch in anderen europäischen Ländern war die Wahlbeteiligung hoch.

Neben dem Klimaschutz war es im Wahlkampf insbesondere um Mindestlöhne, die Besteuerung von Internetkonzernen, die Migrationspolitik und die Debatte um das Urheberrecht im Internet gegangen. Bestimmt war die Kampagne aber auch von Sorgen vor einem Erstarken von Rechtspopulisten und Nationalisten.

SPD verliert bei Europawahl und in Bremen

Neben der Europawahl müssen sich die Parteien auch mit den Landtagswahlen in Bremen auseinandersetzen. Dort erlebte die SPD ein Fiasko – sie landete hinter der CDU. Bremen war jahrzehntelang eine SPD-Hochburg. Partei-Chefin Andrea Nahles bewertete den Wahlausgang so: