Autor
Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic, SWR3; Foto: SWR
Stand:

Ein neuer Bericht zum Klimawandel ist alarmierend: Die Erderwärmung habe große Auswirkungen auf die Gesundheit – vor allem auf die von Kindern. Die Autoren sehen jedoch auch eine Chance.

Der Klimawandel wird vor allem für Kinder gefährlich. Forscher warnen in einem aktuellen Bericht: Die Kleinsten wird es am härtesten treffen. Bei einem Weiterwirtschaften wie bisher „wird das Leben jedes geborenen Kindes tiefgreifend vom Klimawandel beeinträchtigt werden“, berichtet das Konsortium The Lancet Countdown, zu dem rund 100 Experten gehören.

Sie stammen aus 35 Institutionen – darunter die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Universitäten. Sie haben die aktuellen und künftigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit untersucht.

Warum trifft es Kinder besonders hart?

Das Immunsystem von Kindern entwickle sich noch. Schäden in der Kindheit könnten deshalb bleiben. Durch den Klimawandel verbessern sich die Bedingungen für Dengue-Mücken und Cholera-Erreger – dadurch können sich diese Krankheiten weiter ausbreiten. Kinder leiden besonders stark am Dengue-Fieber, starker Durchfall kann für kleine Kinder eine große Bedrohung sein.

Die Wassertemperaturen steigen durch die Erderwärmung an – dadurch fühlen sich beispielsweise Bakterien wie die Vibrionen besonders wohl. Seit den 1980er-Jahren hat sich die Zahl der Tage verdoppelt, an denen Infektionen mit den Bakterien in der Ostsee möglich sind. Die Erreger können Magen-Darm- und Wundinfektionen verursachen.

Die Experten warnen außerdem vor Unterernährung. Durch den Klimawandel könne es zu Ernterückgängen kommen, was wiederum zu einer Nahrungsknappheit führen kann. Auch das treffe Kinder besonders hart.

Chance durch das Pariser Klimaabkommen

In der Studie gibt es trotzdem einen Lichtblick: Das Pariser Klimaabkommen plädiert für eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad. Würden dieser Wert und die Versprechen der Länder eingehalten werden, zeichne sich demnach ein deutlich besseres Bild: Ein Kind in England könnte dann mit sechs Jahren den Kohleausstieg erleben und in Frankreich mit 21 Jahren den Abschied von Benzin- und Dieselautos, so der Bericht.

Alle heute geborenen Kinder könnten mit 31 Jahren erleben, dass nur noch so viel CO2 produziert wird, wie von der Natur oder mit technischen Mitteln aufgenommen werden kann. Außerdem könnte die Luft reiner und die Infrastruktur besser sein.

„Nie dagewesene Herausforderung verlangt Reaktion“

Die Experten haben vier Kernforderungen: Eine schnelle und komplette Abkehr vom weltweiten Kohlestrom, eine Sicherheit, dass die reichen Staaten – wie bereits zugesagt – ab dem Jahr 2020 an ärmere Länder 100 Milliarden Dollar Klimaunterstützung geben, eine Förderung des öffentlichen Verkehrs, beispielsweise von Radwegen und die Investition in das Gesundheitssystem, damit dieses ausreichend den von der Erderwärmung geschädigten Menschen helfen kann.

Die Autoren appellieren: „Eine nie dagewesene Herausforderung verlangt eine nie dagewesene Reaktion und es benötigt die Mitarbeit der 7,5 Milliarden derzeit lebenden Menschen, um sicherzustellen, dass ein heute geborenes Kind nicht durch ein sich wandelndes Klima bestimmt wird.“