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Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt, SWR3; Foto: SWR3
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Frisch gewaschen = porentief rein? Nein, sagen Experten. Sie haben festgestellt, dass resistente Bakterien über die Waschmaschinen auf den Menschen übertragen werden können.

Konkret belegt haben die Forscher die Übertragung der Keime über die Wäsche in einem Kinderkrankenhaus in Bonn. Zunächst wurden die multiresistenten Keime bei Routinetests an frühgeborenen Babys festgestellt. Bei den Untersuchungen führte die Spur dann zu einer handelsüblichen Waschmaschine, die dort benutzt wurde.

Wir haben erstmals nachgewiesen, dass es durch eine Waschmaschine auch zur Übertragung von Antibiotika-resistenten Keimen auf den Menschen kommen kann.

Martin Exner, Direktor des Hygiene-Instituts IHPH am Bonner Uniklinikum

Die Forscher berichteten über die Ergebnisse ihrer Untersuchungen im Journal Applied and Environmental Microbiology. Die Bakterien habe man im Spülfach der Waschmaschine und im Türgummi gefunden. Sie seien dann über die in der Maschine gewaschene Kleidung übertragen worden. In der Waschmaschine wurden Strickmützen und Söckchen für die Neugeborenen im Schonwaschgang gewaschen.

Wäsche liegt in einer Waschmaschine: Gefährliche Keime können über Waschmaschinen verbreitet werden; Foto: picture alliance/Oliver Berg/dpa

Um beim Waschen Keime zu töten, brauche es mindestens 60 Grad.

picture alliance/Oliver Berg/dpa

Keine Antibiotika möglich

Wie die Bakterien in die Maschine gelangen konnten, ist noch unklar. Denkbar sei, dass sie in der eingefüllten Wäsche steckten oder über den Bediener hineingelangten – etwa wenn dieser sie an den Händen trug. Das Problem: Gegen gefundenen Keime wirken Antibiotika nicht mehr oder nur noch eingeschränkt.

Experten: Kein Grund zur Beunruhigung

Für gesunde Menschen hat das Ergebnis der Untersuchung keine Folgen. „Für einen normal gesunden Menschen mit einem intakten Immunsystem besteht keine Gefahr durch resistente Erreger, selbst wenn er einen solchen Keim in seinen Schleimhäuten in sich tragen sollte“, teilte Studienleiterin Ricarda Schmithausen mit. Ein potentielles Risiko sehen die Experten für abwehrgeschwächte Menschen, Menschen mit chronischen Wunden oder Dauerkathetern, Personen mit eiternden Verletzungen sowie Neugeborene.

Für die genannte Risikogruppe könne der Trend, aus Umweltschutz- und Energiespargründen kurz und bei niedrigen Temperaturen zu waschen, gefährlich werden. Um Keime zu töten, braucht es eine Mindesttemperatur von 60 Grad. Auch die Zugabe von chemischen Desinfektionsmitteln daheim könne sinnvoll sein, hieß es.

Zu einer Infektion kam es in der Kinderklinik zum Glück nicht.

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„Meilenstein“ der Forschung

Hygieniker Christian Brandt hält die Bonner Untersuchung für einen „Meilenstein“. Man habe schon lange vermutet, dass multiresistente Erreger über saubere Wäsche aus der Waschmaschine auf den Menschen übertragen werden – nun sei es tatsächlich bewiesen.

Bakterien tummeln sich überall, alle Menschen sind von ihnen besiedelt. Wenn es trocken ist, sterben sie schnell. In Feuchtigkeit gedeihen sie jedoch prächtig. Als Bakterien-Killer gelten: Hohe Waschtemperaturen, Wäschetrockner und Bügeleisen.

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