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Wer schwer krank ist und sich zum Suizid entschließt, kann in Deutschland nicht mehr auf Unterstützung von Ärzten oder Vereinen zählen. Geht das zu weit? Darüber verhandelt das Bundesverfassungsgericht am Dienstag und Mittwoch. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Das Bundesverfassungsgericht will zwei Tage lang verhandeln. Das zeigt, wie intensiv sich Karlsruhe mit dem Thema befasst, denn in der Regel wird – wenn überhaupt – nur ein Tag lang im Gerichtssaal diskutiert. Ein Urteil wird es erst in einigen Monaten geben. 

Sterbehilfe – was ist erlaubt, was ist strafbar?

Strafbar ist die aktive Sterbehilfe. Wer jemanden auf dessen Wunsch tötet, macht sich wegen „Tötung auf Verlangen“ strafbar. Dann drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Erlaubt ist der Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen, wenn das dem Willen des Patienten entspricht. Wenn jemand etwa in einer Patientenverfügung präzise festgehalten hat, ab wann er keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr will, dann müssen sich Ärzte daran halten und Geräte gegebenenfalls abschalten.

Erlaubt ist in bestimmten Fällen auch Beihilfe zum Suizid: Wenn zum Beispiel ein Angehöriger einem Sterbewilligen ein tödliches Medikament reicht und dieser nimmt es selbst ein, ist das nicht strafbar. Problematisch wird es, wenn es sich bei der Beihilfe zum Suizid nicht um einen Einzelfall handelt. Darum geht es in dem umstrittenen Gesetz.

Worum geht es vor dem Bundesverfassungsgericht?

Es geht um Paragraf 217 Strafgesetzbuch. Danach kann die „geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung“ mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. „Geschäftsmäßig“ ist Sterbehilfe, wenn sie auf Wiederholung angelegt ist – also keine einmalige Hilfe. Betroffen sein könnten Ärzte, aber auch ehrenamtliche Helfer, die für Sterbehilfe-Vereine tätig sind. Im Einzelnen ist die Reichweite des Begriffs „geschäftsmäßig“ sehr umstritten. Das Bundesverfassungsgericht muss nun klären, ob dieses Verbot gegen das Grundgesetz verstößt.

Warum wurde die geschäftsmäßige Sterbehilfe verboten?

Der Gesetzgeber wollte mit dem Verbot eine Kommerzialisierung der Sterbehilfe verhindern. Es ging dabei auch um die Sorge, dass sich der begleitete Suizid immer weiterverbreiten und so der Eindruck von Normalität entstehen könnte. Schwerstkranke und alte Menschen könnten dadurch unter Druck gesetzt fühlen, ihrem Leben vorzeitig ein Ende zu setzen. Dem Gesetz war eine kontroverse Debatte vorausgegangen. Die Abstimmung im Bundestag wurde zur Gewissensfrage erklärt – das heißt, die Abgeordneten waren nicht an die Fraktionsdisziplin gebunden.

Warum haben die Betroffenen geklagt?

Es geht um die Frage, ob es ein Grundrecht auf selbstbestimmtes Sterben gibt und wie weit dieses Recht womöglich reicht. Aus Sicht der sterbewilligen Personen umfasst es auch, Unterstützung Dritter bei der Selbsttötung in Anspruch zu nehmen. Weil weite Teile der Unterstützung nun strafbar seien, könnten sie ihr Grundrecht nicht ausüben.

Für die Ärzte, die geklagt haben, geht es um ihre Gewissens- und Berufsfreiheit. Aus ihrer Sicht verhindert Paragraf 217 Strafgesetzbuch eine Behandlung, die sich am Wohl und Willen des Patienten orientiert. Ärzte sehen das Risiko, sich strafbar zu machen. Wenn sie häufiger beim Suizid assistieren, kann das unter den Begriff „geschäftsmäßig“ fallen. Machen sich auch Ärzte hier strafbar, obwohl der Gesetzgeber eigentlich die Sterbehilfevereine im Blick hatte? Schießt das Gesetz übers Ziel hinaus?

Die Sterbehilfevereine stützen ihre Verfassungsbeschwerden auf die Vereinigungsfreiheit.