Autor
Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Ein gültiger Führerschein? Fehlanzeige! Einsicht, dass Autofahren dann doof ist? Fehlanzeige! Was folgt? Anzeige! Ein Autofahrer aus Speyer war völlig beratungsresistent – bis die Polizei kam.

Da sind sogar erfahrene Polizisten ratlos: Ein 37 Jahre alter Mann aus Speyer hat in Flensburg ein Punktekonto, bei dem würde auch der größte Verkehrsrowdy blass werden vor Neid. Unglaubliche 373 Punkte hat der Mann angehäuft – und das in nur einem halben Jahr.

Anfang September hatte die Polizei dem Ganzen einen Riegel vorgeschoben und das Auto des Mannes eingezogen. Da er ohnehin keinen Führerschein hatte, war das die einzige Möglichkeit, ihn zu stoppen.

Jetzt muss er sich bald vor Gericht verantworten: Der Fall sei bei der Staatsanwaltschaft in Frankenthal eingegangen und werde nun geprüft, heißt es von dort. Schon in den nächsten Wochen soll über eine mögliche Anklage entschieden werden. Der Autofahrer muss mit einem Prozess und wohl auch mit einer Haftstrafe rechnen.

Wie konnte es soweit kommen?

Angefangen hatte die Punkte-Karriere des 37-Jährigen schon vor längerer Zeit. Er hatte sich einen Führerschein aus Italien besorgt, obwohl er laut Polizei wusste, dass er mit dem Lappen in Deutschland nicht Autofahren darf. Das war ihm aber egal: Er trat mit seinem ungültigen Führerschein eine Stelle als Berufskraftfahrer an.

Es kam, wie es kommen musste: Die Polizei erwischte den Schwarzfahrer im Februar dieses Jahr. Sein Punktekonto wies stolze 35 Punkte auf. Der Mann musste sich vor Gericht verantworten und bekam eine Bewährungsstrafe. Der Richter machte ihm klar, dass er im Gefängnis landen werde, sollte er noch einmal am Steuer erwischt werden.

Beratungsresistenz vom Feinsten

Das scheint den Mann nicht sonderlich beeindruckt zu haben, denn die Zentralen Verkehrsdienste in Neustadt/Weinstraße bekamen Hinweise darauf, dass er trotz der Bewährungsstrafe wieder ohne Führerschein unterwegs war.

Er hatte sich einen SUV gekauft, mit dem er unterwegs war. In dem stoppten ihn die Polizisten am Dienstagnachmittag. Und wieder hielt er den Beamten einen ungültigen Führerschein unter die Nase.

Auto kurzerhand eingezogen

Weil ihm die Polizei auch mit diesem Fahrzeug mehrere Fahrten ohne Führerschein nachweisen konnte, zog sie das Auto ein. Im Polizeibericht heißt es dazu: „Völlig sprachlos war der Beschuldigte, als er realisierte, dass sein Fahrzeug nun nicht mehr ihm gehörte. Erneut sprachlos wird er sein, wenn der Richter sein Versprechen einlöst. Wer nicht hören will, muss eben fühlen.“

Sascha Fassnacht von der Polizei Neustadt sagte SWR3, er habe nach dem Vorfall noch einmal mit dem Verkehrzentralregister in Flensburg telefoniert. Dort habe man ihm mitgeteilt, dass der Mann mittlerweile 373 Punkte angesammelt habe: „Für jede illegale Fahrt, die wir ihm nachweisen konnten, hat er zwei Punkte bekommen.“

Ob er damit im jemals im „Guinnesbuch der Rekorde“ landen wird, ist nicht klar. Fest steht aber: Beim achten Punkt ist in der Regel der Lappen weg.

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