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SWR Aktuell
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In Freiburg ist am Nachmittag das Urteil im Fall Maria H. gefallen. Der 58-jährige Angeklagte wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er war 2013 mit der damals 13-jährigen Schülerin spurlos verschwunden.

Das Freiburger Landgericht verurteilte Bernhard H. außerdem zur Zahlung von Schadenersatz an die Mutter von Maria H.

Der 58-Jährige aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen war mit der heute 19-jährigen Schülerin fünf Jahre lang verschwunden. Das Gericht verurteilte ihn wegen schwerer Entziehung Minderjähriger und sexuellen Missbrauchs in mehr als 100 Fällen. Eine Sicherheitsverwahrung wurde nicht angeordnet. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre und drei Monate mit anschließender Sicherungsverwahrung gefordert.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft haben nach Angaben des Gerichts eine Woche Zeit, Revision einzulegen.

Als Familienvater mit Maria H. ins Ausland geflüchtet

Der Anklage zufolge war der verheiratete Familienvater im Mai 2013 mit der damals 13-jährigen Maria H. ins Ausland geflüchtet, ohne dass deren Eltern von dem Plan wussten oder einverstanden waren. Fünf Jahre nach ihrem Verschwinden, im Herbst 2018, war Maria wieder in Freiburg aufgetaucht. Der Mann war im September vergangenen Jahres in Italien festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden.

Angeklagter hatte sich damals als Teenager ausgegeben

Erste Kontakte habe es bereits im April 2011 gegeben, sagte die Staatsanwältin. Der rund 40 Jahre ältere Mann habe die damals Elfjährige über ein Chat-Forum im Internet kontaktiert und sich dabei anfangs als Teenager ausgegeben. Die Beziehung zu ihr habe er dominiert.

In den mehr als fünf Jahren, in denen Maria H. und der Mann durch Europa reisten und untergetaucht waren, habe Maria kein Mobiltelefon nutzen oder ins Internet gehen dürfen.

Cyber-Grooming – und wie können Eltern ihre Kinder schützen?

Der Fall Maria H. berührt die Ur-Angst aller Eltern: Die Sorge, das eigene Kind könnte mit den falschen Menschen in Kontakt kommen und in Gefahr geraten. Beim sogenannten Cyber-Grooming, zu Deutsch etwa das Heranmachen an Kinder im Internet, gehen die Täter oft nach demselben Muster vor: Sie bauen in Chat-Foren Vertrauen zu ihren meist minderjährigen Opfern auf und belästigen diese anschließend sexuell.

Johannes-Wilhelm Rörig ist unabhängiger Beauftragter der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Er beantwortet die Frage, wie weit verbreitet das Problem ist, dass Erwachsene gezielt im Netz Kontakt zu Kindern suchen:

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Nachrichten Cyber-Grooming: Wie können wir Kinder davor schützen?

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