Stand:

Die Erkrankungen durch Wilke-Wurst hätten viel früher gestoppt werden können. Das zeigt der Abschlussbericht zum Listerien-Skandal. Jetzt sollen die Kontrollen verbessert werden.

Das hessische Verbraucherschutzministerium hat den Abschlussbericht zum Listerien-Skandal beim nordhessischen Wursthersteller Wilke vorgelegt. Der Bericht zeigt, dass viele der Krankheitsfälle vermeidbar gewesen wären, wenn die Lebensmittelkontrollen ordnungsgemäß stattgefunden hätten.

Erste Listerien-Hinweise schon 2018

Bereits im Jahr 2018 wurden in Hamburg und Baden-Württemberg Listerien in Wilke-Produkten gefunden. Für die zuständige Behörde im Landkreis Waldeck-Frankenberg hätte das ein Grund sein müssen, den Betrieb noch häufiger zu kontrollieren, so der Bericht des Ministeriums.

Doch das geschah nicht: Zwischen April und August 2019 wurde der Betrieb sogar vier Monate lang am Stück nicht überprüft, obwohl eigentlich im Schnitt eine Kontrolle pro Monat vorgegeben war.

Betriebsschließung erst nach Krankheits- und Todesfällen

Elektronenmikroskopische Aufnahmen von Listerien (Listeria monocytogenes) auf der Oberfläche einer dendritischen Zelle.; Foto: picture alliance/Manfred Rohde/Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung/dpa

Listerien unter dem Elektronenmikroskop: Die Bakterien können bei Menschen zu einer Entzündung des Gehirns führen.

picture alliance/Manfred Rohde/Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung/dpa

Währenddessen infizierten sich in insgesamt neun Gesundheitseinrichtungen Menschen mit den Bakterien. Ermittlungen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ergaben, dass sechs der neun Einrichtungen mit Wurstwaren der Firma Wilke beliefert worden sind.

Erst als das BVL im August 2019 das hessische Verbraucherschutzministerium über den Zusammenhang informierte, kamen auch die Kontrollen bei Wilke wieder in Gang. Bei mehreren Proben wurden die Bakterien nachgewiesen.

Als klar wurde, dass die Firma nicht Herr des Problems werden kann, wurde der Betrieb Anfang Oktober geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits zahlreiche Menschen an Listeriose erkrankt. Insgesamt 37 Krankheits- und drei Todesfälle werden mit dem Fall Wilke in Verbindung gebracht.

Geplante Verbesserungen der Lebensmittelkontrollen

Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) stellt in ihrem Bericht insgesamt acht Maßnahmen vor, die verhindern sollen, dass derartige Fälle noch einmal passieren können. Unter anderem sollen häufigere und intensivere Kontrollen durch die Landkreise stattfinden. Dafür soll auch mehr Personal zur Verfügung gestellt werden.

Zusätzlich sollen aber auch die Behörden auf Ebene der Regierungspräsidien gestärkt werden. Dadurch soll ein Versagen der Landkreise – wie im Fall Wilke – schneller auffallen.

Kritik von Foodwatch

Kritik kommt indes von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Geschäftsführer Martin Rücker sagte der Deutschen Presseagentur, Ministerin Hinz habe nicht alle relevanten Berichte offengelegt.   

Die Aufarbeitung des Wilke-Skandals ist alles andere als abgeschlossen.

Martin Rücker, Geschäftsführer Foodwatch

Auch Hinz' Pläne zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheit seien nicht ausreichend. Kommunale Behörden stünden in einem „permanenten Interessenkonflikt zwischen lokaler Wirtschaftsförderung und unabhängigen Betriebskontrollen“, so Rücker gegenüber der dpa.

Was benötigt werde, sei eine politische unabhängige Landesbehörde, die Betriebskontrollen in der Lebensmittelbranche durchführe.