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Das Landgericht München hat einen falschen Arzt zu elf Jahren Haft verurteilt. Er soll Frauen und Mädchen per Skype dazu gebracht haben, sich lebensgefährliche Stromschläge zuzufügen.

Das Gericht verurteilte den 30-Jährigen unter anderem wegen versuchten Mordes, schwerer Körperverletzung, Titelvergehen und einer Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Außerdem soll er in die Psychiatrie eingewiesen werden.

Ursprünglich war der Mann wegen 88-fachen versuchten Mordes angeklagt. Das Gericht reduzierte die Taten aber auf 20 Fälle. Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre Haft gefordert, die Verteidigung dagegen nur eine zweijährige Bewährungsstrafe.

Frauen fügten sich Stromschläge mit bis zu 230 Volt zu

Der Mann soll sich als Arzt ausgegeben und behauptet haben, wissenschaftliche Studien zur Schmerztherapie durchzuführen. Er brachte seine Opfer dazu, sich selbst lebensgefährliche Stromschläge zuzuführen. Die Aufforderung machte er per Skype-Videochat und bot dafür auch Geld an. Die Frauen jagten sich daraufhin bis zu 230 Volt durch den Körper.

In manchen Fällen sollen die Eltern der Mädchen bei den angeblichen wissenschaftlichen Versuchen geholfen haben. Ein Vater, so hieß es in der Anklage, versetzte seiner Tochter demnach mehrfach Stromschläge mit einem Elektroschockgerät.

Motiv: Sexueller Trieb und Asperger-Syndrom

Das Motiv für das Überreden zu den Stromschlägen soll ein sexueller Fetisch gewesen sein. Der Richter sagte, das Mordmerkmal der Befriedigung des Geschlechtstriebs sei auch durch die psychiatrischen Gutachten gedeckt. Das Asperger-Syndrom des 30-jährigen Mannes habe sich mit der sexuellen Triebhaftigkeit zu seinem gefährlichen Antrieb verbunden.

Auf die Spur des Mannes aus dem Landkreis Würzburg kamen die Ermittler, nachdem ein 16 Jahre altes Opfer Anzeige erstattet hatte. Im Februar 2018 wurde er festgenommen, bis Ende September 2019 saß er in Untersuchungshaft, seither wurde er in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt.