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In München steht ein Mann wegen versuchten Mordes vor Gericht. Er soll 88 Frauen und Mädchen per Skype dazu gebracht haben, sich lebensgefährliche Stromschläge zuzufügen.

Am Landgericht München II hat ein aufsehenerregender Prozess begonnen, bei dem die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist: Ein 30 Jahre alter Mann aus dem Raum Würzburg ist wegen versuchten Mordes an 88 Frauen und Mädchen angeklagt.

Frauen fügten sich Stromschläge mit bis zu 230 Volt zu

Der 30-Jährige soll sich als Arzt ausgegeben und behauptet haben, wissenschaftliche Studien zur Schmerztherapie durchzuführen. Laut Anklage brachte er seine Opfer dazu, sich selbst lebensgefährliche Stromschläge zuzuführen. Die Aufforderung machte er per Skype-Videochat und bot dafür auch Geld an. Die Frauen jagten sich daraufhin bis zu 230 Volt durch den Körper.

In manchen Fällen sollen sogar die Eltern der Mädchen bei den angeblichen wissenschaftlichen Versuchen geholfen haben. Ein Vater, so heißt es in der Anklage, versetzte seiner Tochter demnach mehrfach Stromschläge mit einem Elektroschockgerät.

Anklage: „Befriedigung des Geschlechtstriebes“ und Fetisch

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft zeichnete der Mann die Videochats auf, um sie sich immer wieder ansehen und außerdem im Darknet verkaufen zu können. Beim Tatmotiv geht die Anklage von der „Befriedigung des Geschlechtstriebes“ als Mordmerkmal aus und von einer „fetischistischen Komponente“. Besonders das Anbringen von Elektroden an nackten Füßen habe ihn erregt.

Verteidigung: Mann ist psychisch krank mit Asperger-Syndrom

Laut einem Bericht der Würzburger Main-Post geht die Verteidigung davon aus, dass der Angeklagte psychisch krank ist und unter dem Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter leide. Die Zeitung zitiert den Verteidiger des Mannes, Klaus Spiegel. Es habe sich demnach um den „Versuch eines Kranken gehandelt, mit der Umwelt zu kommunizieren“.

Auf die Spur des Mannes aus dem Landkreis Würzburg kamen die Ermittler, nachdem ein 16 Jahre altes Opfer Anzeige erstattet hatte. Im Februar 2018 wurde er festgenommen, bis Ende September 2019 saß er in Untersuchungshaft, seither wird er in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt.