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Hans Liedtke
Hans Liedtke, SWR3; Foto: SWR3
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Vor 30 Jahren ist die Mauer in Berlin gefallen. Ein Grund zum Feiern! Zehntausende besuchten die Festveranstaltungen am Brandenburger Tor in Berlin und entlang der innerdeutschen Grenze. Bundespräsident Steinmeier und Kanzlerin Merkel mahnten vor Hass in der Gesellschaft.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appellierte vor den Besuchern am Brandenburger Tor, seit 1989 neu entstandene Mauern in der Gesellschaft wieder einzureißen.

Die große Mauer, dieses unmenschliche Bauwerk, das so viele Opfer gefordert hat, steht nicht mehr. Diese Mauer ist weg, ein für alle Mal.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Bundespräsident Steinmeier; Foto: Reuters

Bundespräsident Steinmeier

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Die Berliner Mauer habe das DDR-Unrechtsregime errichtet. „Aber die neuen Mauern in unserem Land, die haben wir selbst gebaut. Und nur wir selber können sie einreißen“, sagte Steinmeier. „Also schauen wir nicht zu, klagen wir nicht drüber: Reißen wir diese Mauern endlich ein!“

Steinmeier: Wir können nicht dankbar genug sein

Die Mutigen von 1989 hätten Einheit, Freiheit und Demokratie erkämpft. „Welch ein großartiges, welch ein stolzes Erbe. Machen wir was daraus,“ sagte Steinmeier. Er fügte hinzu, „sie, die Mutigen in der DDR, haben Geschichte geschrieben: Demokratiegeschichte, Weltgeschichte. Dafür können ihnen wir auch 30 Jahre später nicht dankbar genug sein.“

30 Jahre Mauerfall; Foto: Reuters

Nachrichten 30 Jahre Mauerfall

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Merkel: Schicksalstag der Deutschen

Merkel erinnerte an die Mauertoten und an die Opfer der SED-Diktatur: „Wir werden sie nicht vergessen.“

Den 9. November bezeichnete Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als einen Schicksalstag der Deutschen. In ihm spiegelten sich sowohl die glücklichen als auch die fürchterlichen Momente der deutschen Geschichte wider. Der 9. November 1938 mit den gegen die Juden gerichteten Pogromen ermahne, Hass, Rassismus und Antisemitismus entschlossen entgegenzutreten.

Die Werte, auf die sich die EU gründet, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, die Wahrung der Menschenrechte, sie sind alles andere als selbstverständlich.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Keine Mauer sei so hoch oder so breit, dass sie nicht durchbrochen werden könne, sagte die Kanzlerin in ihrer Rede an der Bernauer Straße.

Merkel: Werte müssen verteidigt werden; Foto: picture alliance/Michael Kappeler/dpa

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Rosen für die Maueropfer

Blumen an der Mauer; Foto: Reuters
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Mit einer Gedenkveranstaltung in der Bernauer Straße hatten die Feierlichkeiten begonnen. Dabei steckten Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Andere für die Maueropfer gelbe und orange Rosen in die Mauer. Zur Erinnerung an den Mut der DDR-Opposition im Herbst 1989 wurden Kerzen entzündet. Auf Demonstrationen waren damals Kerzen das Symbol des gewaltlosen Widerstands.

Die Bernauer Straße gilt als Symbol der deutschen Teilung. Als die Mauer 1961 hochgezogen wurde, lag die Häuserfront der Straße im Osten, der Bürgersteig im Westen. 1985 sprengte das DDR-Regime die evangelische Versöhnungskirche, die sich im Todesstreifen ebenfalls dort befand. An derselben Stelle wurde die Kapelle der Versöhnung aufgebaut.

Das ist am 9. November 1989 passiert

Am diesem Tag trat DDR-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski vor die Presse. Das SED-Politbüro hatte zuvor Regelungen für die freie Ausreise und für Besuchsreisen beschlossen. Am nächsten Morgen sollten die neuen Bestimmungen über die Nachrichtenagentur ADN verbreitet werden.

Doch bei der Frage eines Korrespondenten, wann die neue Reiseregelung in Kraft tritt, wühlte Schabowski in seinen Unterlagen und vertat sich: „Nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich,“ lautete der entscheidende Satz.

Es war kurz vor 19:00 Uhr. Viele Menschen in der DDR sahen die Pressekonferenz im Fernsehen.

Mit dem 9. November 1989 ging die deutsche Teilung nach rund 40 Jahren zu Ende, die Berliner Mauer selbst stand mehr als 28 Jahre. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen starben an der etwa 160 Kilometer langen Mauer in der Hauptstadt mindestens 140 Menschen durch das DDR-Regime.


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