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Kerstin Welter
Kerstin Welter; Foto: Kerstin Welter
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Nach 43 Jahren wurde bei einem von zwei Reaktoren des französischen Atomkraftwerks der Stecker gezogen – im Kontrollraum soll es sehr emotional zugegangen sein. Denn nicht alle freuen sich über die Stilllegung.

Um zwei Uhr in der Nacht zum Samstag war Schluss: Die Abschaltung sei planmäßig verlaufen und der erste von insgesamt zwei Reaktoren erfolgreich vom Netz genommen worden. Das teilte der Betreiber des AKW Fessenheim, Electricité de France (EDF) mit.

Ältestes Atomkraftwerk Frankreichs geht vom Netz

Die Abschaltung des 900-Megawatt-Druckwasserreaktors hatte gegen 20.30 Uhr am Freitagabend begonnen. Die 157 Brenn-Elemente im Druckwasserreaktor kommen nach Auskunft von EDF Anfang März ins Abklingbecken.

Bis Ende Juni soll das Atomkraftwerk komplett abgeschaltet werden, denn dann folgt der zweite Reaktor. Im Kontrollraum soll es bei dem denkwürdigen Vorgang emotional zugegangen sein, teilte EDF mit. Fessenheim ist das älteste noch laufende Kernkraftwerk Frankreichs.

Frankreich hat weltweit den größten Anteil an Atomstrom, gut 70 Prozent. Die französische Regierung will ihn mit der Schließung weiterer Reaktoren auf 50 Prozent senken. In Deutschland ging zuletzt das AKW in Philippsburg vom Netz.

Demonstrationen in Fessenheim gegen die Stilllegung des AKW Fessenheim; Foto: picture alliance / dpa / Claudia Kornmeier

Immer wieder gab es in Fessenheim Demonstrationen gegen die Stilllegung des Kernkraftwerks. Die Gegner befürchten, dass ihre Region wirtschaftlich ausblutet.

picture alliance / dpa / Claudia Kornmeier

Jahrelang Streit um die Stilllegung von Fessenheim

Durch die Abschaltung des AKW wird das Leben am Oberrhein sicherer, sagen Experten. Aber die Brennstäbe lagern noch drei Jahre in Fessenheim – solange bleibt die Sorge, dass sie außer Kontrolle geraten könnten, so wie auch weitere Kraftwerke in Grenznähe.

Wegen vieler Pannen in der Vergangenheit und weil es im Erdbebengebiet Oberrheingraben liegt, gilt das Kraftwerk in Fessenheim für Kritiker schon seit Jahrzehnten als Sicherheitsrisiko. Der Atommeiler liegt direkt an der deutschen Grenze, etwa 30 Kilometer von Freiburg im Breisgau entfernt und etwa 50 Kilometer von Basel. Atomkraft-Gegner vor allem in Deutschland und der Schweiz hatten deswegen lange auf ein Abschalten der beiden Reaktoren gedrängt.

Demonstrationen auf französischer Seite

Ursprünglich hatte die französische Regierung das Aus für das AKW Fessenheim bereits für Ende 2016 versprochen. Präsident Emmanuel Macron setzt den Plan nun um. Dabei bekommt er vor allem von den Bewohnern des Elsass wenig Unterstützung. Für viele bedeutet die Abschaltung des AKW vor allem Arbeitsplatzverluste und eine deutliche Schwächung der Region insgesamt. In Frankreich ist Strom aus Atomkraft auch weniger umstritten – so wie dieser Twitter-User sehen viele Atomkraft als umweltfreundliche Energiegewinnung.

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Im Zentrum von Fessenheim kamen etwa 100 Menschen zusammen, um gegen die Abschaltung des AKWs zu protestieren. Nach Angaben von EDF werden nach der Abschaltung von beiden Reaktoren mehr als 200 Mitarbeiter an andere Standorte versetzt.

Industriepark soll Region helfen

Der AKW-Betreiber bekommt vom französischen Staat 450 Millionen Euro Entschädigung für die Schließung der Fessenheimer Reaktoren. Der Abriss des Kraftwerks in Fessenheim wird bis 2040 dauern. Parallel soll in der Nähe ein deutsch-französischer Industriepark entstehen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Die Demontage des Meilers in Fessenheim beginnt 2025 und könnte bis 2040 dauern.