Feuerwehr- und Notarztwagen sind nach einem Unfall auf der A5 nicht durchgekommen, weil Autofahrer die Straße blockierten. Außerdem haben die Blockierer die Helfer noch angepöbelt. Der Feuerwehr reicht es jetzt.

Theo Herrmann ist richtig sauer: So etwas habe er in seinen 46 Jahren bei der Feuerwehr Mörfelden noch nicht erlebt, sagte er dem Hessischen Rundfunk. Herrmann ist stellvertretender Stadtbrandinspektor. Was war passiert?

Gerüstbauer stürzte von der Autobahnbrücke

Bei Arbeiten an der Autobahnbrücke bei Weiterstadt (Hessen) ist am Mittwochnachmittag ein Gerüstbauer abgestürzt. Er verletzte sich schwer. An der Unglückstelle bildete sich schnell ein Stau.

Als ein Polizeiauto und zwei Rettungswagen kamen, bildeten die Autofahrer eine Rettungsgasse. Dann fuhren aber ein paar offensichtlich besonders schlaue Autofahrer einfach hinter den Rettungswagen her. Sie wollten wohl geschickt den Stau für sich abkürzen.

Feuerwehrmann hält Helm in der Hand; Foto: dpa/picture-alliance
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Theo Herrmann im SWR3-Interview

„Wir opfern unsere Freizeit“

Als dann drei Feuerwehrautos und ein Notarztwagen zur Unfallstelle wollten, war die Rettungsgasse komplett verstopft. In einem der Feuerwehrautos saß Herrmann.

Das hat sich so gestaut, dass überhaupt kein Durchkommen mehr war. Wir mussten dann den Rest zu Fuß laufen. Wir haben für die circa zwei Kilometer mit den Großfahrzeugen fast eine halbe Stunde gebraucht.

Theo Herrmann, Feuerwehr Mörfelden

Ihr steht im Stau, im Rückspiegel taucht ein Rettungsfahrzeug mit Blaulicht auf – und kommt nicht durch. Die Autos haben keine Rettungsgasse gebildet. Dabei zählt bei Unfällen oft jede Minute. SWR3 und das DRK haben deshalb die „Aktion Rettungsgasse“ gestartet.

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„Macht nicht so einen Zirkus“

Unterwegs haben die Helfer die Autofahrer auf ihren Fehler hingewiesen. Dafür wurden sie ausgelacht – und sogar von den Leuten angepöbelt. „Stellt euch nicht so an, macht nicht so einen Zirkus, was wollt ihr denn?“ – Das hätten sich die Helfer von den Blockierern anhören müssen, erzählte Herrmann dem SWR.

Das ist einfach traurig, weil wir ja die Freiwillige Feuerwehr sind, wir opfern unsere Freizeit für solche Sachen und dann kriegst du da solche Sachen erzählt.

Von rund 30 besonders dreisten Autofahrern haben die Rettungskräfte Fotos gemacht und die Autonummern aufgeschrieben. „Die zeigen wir jetzt an“, sagt Herrmann. Ob die Strafe aber so richtig weh tun wird? Letzten Endes koste die Ordnungswidrigkeit die Autofahrer nur schlappe 20 Euro.

Zeit für die Bilder war übrigens nur, weil der Verletzte in der Zwischenzeit erstversorgt war: Glücklicherweise war auf der Gegenrichtung auf der Autobahn ein Notarzt vorbei gekommen, der sich um den Gerüstbauer kümmerte.