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Svenja Maria Hirt
Svenja Maria Hirt, SWR3; Foto: SWR3/Alexander Winkler
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Viel zu viel Zucker: Eine Tomatensauce für Kinder bekommt den „Windbeutel des Jahres“. Das ist ein Negativpreis der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch.

Die „dreisteste Werbelüge des Jahres“ – so beschreibt die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch ihren Negativpreis Goldener Windbeutel. Zum neunten Mal wurde er nun verliehen. Dafür hatten in den vergangenen vier Wochen 70.000 Verbraucherinnen und Verbraucher online abgestimmt. Foodwatch hatte zuvor aus mehr als 200 Produkten fünf Kandidaten festgelegt.

Foodwatch verleiht den Negativpreis Goldener Windbeutel; Foto: Foodwatch

Foodwatch verleiht den Negativpreis Goldener Windbeutel (Quelle: Foodwatch)

Foodwatch

Platz 1: Kinder-Tomatensauce von Zwergenwiese

Mehr als 53 Prozent wählten die Tomatensauce von Zwergenwiese zur „dreistesten Werbelüge des Jahres“. Die für Kinder beworbene Tomatensauce enthält nach Angaben von Foodwatch mehr als doppelt so viel Zucker wie die Erwachsenen-Version. Dabei empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass Saucen für Kinder gar keinen zugesetzten Zucker enthalten sollten. Zwergenwiese hatte laut Foodwatch sein Produkt verteidigt. Es enthalte keinen zugesetzten Kristallzucker, sondern Apfeldicksaft. Laut WHO soll aber auch Zucker aus Fruchtsaftkonzentraten reduziert werden, da dieser auch als „zugesetzter Zucker“ definiert wird.

Platz 2: Drink Yakult

Auf dem zweiten Platz landete mit rund 26 Prozent der Stimmen der Drink Yakult, bei dem Foodwatch kritisiert, dass gesundheitliche Effekte nicht wissenschaftlich belegt seien.

Platz 3: Direktsaft Karotte Bio von Hipp

Platz drei belegt ein Karottensaft für Babys von Hipp, der in neuer Verpackung fast doppelt so viel kostet wie bisher.

Platz 4: Wasabi Erdnüsse von Rewe

Auf Platz vier kommen Wasabi-Erdnüssen von Rewe, die laut Foodwatch nur 0,003 Prozent des Gewürzes enthalten.

Platz 5: Corny Protein Lower Carb von Schwartau

Für den Riegel Corny Protein Lower Carb stimmten 6,5 Prozent der Verbraucher. Das Produkt erweckt laut Foodwatch nur den Eindruck eines gesunden Produkts für Sportler.
Foodwatch verlieh den Schmähpreis zum neunten Mal.

Hat der Negativpreis bisher etwas bewirkt?

Laut Foodwatch hätten bisher alle Windbeutel-Gewinner irgendetwas geändert. Zwar gibt es keine konkrete Bilanz, laut eigenen Angaben habe aber jedes dritte Unternehmen, nachdem es an den öffentlichen Pranger gestellt wurde, wirklich etwas geändert.

Alete hat zum Beispiel 2017 mit ihrem Kinderkeks den Goldenen Windbeutel gewonnen, weil er für eine Babynahrung zu sehr gezuckert war. Auf dem Etikett wurde daraufhin „babygerecht“ gestrichen.

Noch größere Veränderung hab es beim Babynahrungshersteller Hipp. Er änderte bei seinem Kindertee in Pulverform das Rezept. 2012 wurde der Tee auf Platz 1 gewählt, weil er zweieinhalb Stück Würfelzucker pro 200-Milliter-Tasse enthielt. Jetzt ist der Tee fast zuckerfrei.

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