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Das Rentenpaket der Großen Koalition soll für Stabilität bis 2025 sorgen. Rentner können mit weiteren Erhöhungen ihrer Bezüge rechnen, die Beiträge von Arbeitnehmern sollen nicht über 20 Prozent steigen.

Der Bundestag hat das Rentenpaket der Großen Koalition beschlossen. 362 der 644 Abgeordneten stimmten dafür, 222 dagegen und 60 enthielten sich. Die Regierung will damit sowohl das Rentenniveau als auch die Beitragssätze bis 2025 stabil halten.

Was bedeutet das für Rentner?

Das Rentenniveau soll bis 2025 mindestens 48 Prozent betragen. Was viele nicht wissen: Das Rentenniveau beschreibt nicht das Verhältnis des letzten Gehalts zur eigenen Rente, sondern ist eine statistische Größe. Sie gibt das Verhältnis von einer durchschnittlichen Rente zu einem durchschnittlichen Gehalt an.

Zur Berechnung werden Durchschnittswerte verwendet. Für die Rente waren das im Jahr 2017 14.772 Euro und den Standardverdienst 30.661 Euro. In beiden Summen sind Sozialabgaben wie Kranken-, Pflege und Arbeitslosenversicherung nicht berücksichtigt. Wie sich die Zahlen zusammensetzen, erklärt die Deutsche Rentenversicherung hier.

Wie hoch die Renten in Zukunft ausfallen, ist also von der Entwicklung der Löhne und dem von der Politik festgelegten Rentenniveau abhängig. Wenn das Rentenniveau, wie jetzt beschlossen, bis 2025 stabil bleiben soll, müssen die Renten entsprechend an die Lohnentwicklung angepasst werden.

Rentner sitzen auf einer Bank; Foto: dpa/picture-alliance

Die Renten sollen im Juli 2019 voraussichtlich um drei Prozent steigen.

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Wann verändert sich das Rentenniveau?

Das Rentenniveau wird von zwei Faktoren maßgeblich beeinflusst: Lohnerhöhungen und Rentenanpassungen. Steigen die Löhne schneller an, als die Renten erhöht werden, sinkt das Rentenniveau. Das hat dann aber für Menschen, die aktuell Rente beziehen, erst mal keine Auswirkungen. Ihre Bezüge sinken also nicht. Sie steigen in der Regel – aber eben nicht genauso schnell wie die Löhne von Arbeitnehmern.

Im kommenden Jahr sollen die Renten voraussichtlich um drei Prozent steigen. Das gab die Rentenversicherung am Mittwoch bekannt. Im Westen ist demnach eine Erhöhung um 3,18 Prozent, im Osten um 3,91 Prozent geplant.

Das kommt auf künftige Rentner zu

Wer in Zukunft in Rente geht, sollte das Rentenniveau im Blick haben. Doch als alleiniger Faktor für die Berechnung der eigenen Altersbezüge ist es nur bedingt geeignet. Denn bei der Berechnung werden Standardwerte verwendet: Es wird von 45 Arbeitsjahren mit einem Durchschnittsverdienst ausgegangen. Wer das nicht erreicht, muss mit weniger Rente rechnen. Die genaue Prognose sendet die Rentenversicherung jedem Arbeitnehmer einmal im Jahr zu.

Eine große Herausforderung zur Finanzierung der Rente stellt die demografische Entwicklung dar. Zum einen ist die Geburtenrate gesunken, zum anderen gibt es immer mehr Rentner. Auch die Lebenserwartung steigt kontinuierlich. Das heißt, ältere Menschen beziehen immer länger Rente. Zusammengefasst bedeutet das: Immer weniger Beitragszahler müssen für immer mehr Rentner aufkommen.

Was müssen Beitragszahler leisten?

Lohabrechnung; Foto: dpa/picture-alliance

Wie viel Netto bleibt vom Brutto? Ein entscheidender Faktor ist dabei der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung.

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Eigentlich geht es der Rentenkasse im Moment richtig gut. 38 Milliarden Euro Rücklagen haben sich mittlerweile angesammelt. Das liegt an der guten Konjunktur, also daran, dass es momentan sehr viele sozialversicherungspflichte Jobs gibt.

Normalerweise wäre jetzt sogar eine Senkung des Rentenbeitrags vorgeschrieben. Aktuell liegt er bei 18,6 Prozent. Doch das jetzt beschlossene Rentenpaket bedeutet Mehrausgaben von 32 Milliarden Euro bis 2025 – der Bund der Steuerzahler rechnet sogar mit 50 Milliarden Euro. Die Rücklagen werden also künftig gebraucht, um das Rentenniveau stabil zu halten.

Alternativ müsste sonst der Beitragssatz für Arbeitnehmer erhöht werden. Auch das will die Bundesregierung bis 2025 verhindern. Der Satz soll nicht mehr als 20 Prozent betragen.

Und was passiert nach 2025?

Nach 2025 kann es sehr teuer werden. Denn Rücklagen in der Rentenversicherung wird es sehr wahrscheinlich nicht mehr geben. Es wird also eine Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben geben. Das kritisierte auch die Opposition am Donnerstag im Bundestag, als das Rentenpaket beschlossen wurde.

Die FDP befürchtet beispielsweise, dass Arbeitnehmer künftig länger arbeiten müssen. Alternativ müsse die Regierung die Steuern erhöhen, sagte FDP-Sozialpolitiker Johannes Vogel.

Hermann Gröhe, CDU-Fraktionsvize und Mitglied in der Rentenkommission, sagte der Rheinischen Post, dass die Rente nicht mit Steuererhöhungen finanziert werden soll. Es dürfe aber „kein Denkverbot“ geben für Anreize, künftig länger als bis 67 zu arbeiten.

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Mario Demuth
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SWR3