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Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt, SWR3; Foto: SWR3
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In den Niederlanden wurde ein Tempolimit auf Autobahnen beschlossen. Künftig dürfen Autofahrer dort nur noch 100 Stundenkilometer fahren. Der Grund für die Änderung, die auf wenig Begeisterung stößt, ist der Klimaschutz.

Seit Langem überschreiten die Niederlande EU-Grenzwerte für den Ausstoß von Stickoxiden. Nun zieht die Regierung die wortwörtliche Notbremse. Als erstes Land in Europa führen die Niederlande Tempo 100 als Höchstgeschwindigkeit auf allen Autobahnen des Landes ein.

Tempo 100 für das Klima

Das sei zwar eine „beschissene Maßnahme“, jedoch sei das Tempolimit angesichts der notwendigen Senkung des Ausstoßes von Stickoxiden unumgänglich, sagte Regierungschef Mark Rutte am Mittwoch.

Niemand findet das schön, aber es geht hier echt um höhere Interessen.

Ministerpräsident Mark Rutte

Ab wann genau das beschlossene Limit gelten soll, ist noch unklar. Die Ministerin für Infrastruktur, Cora van Nieuwenhuizen, will bis Ende Dezember einen konkreten Plan vorlegen.

Es wurde aber bereits vereinbart, dass es auch Ausnahmen geben soll. Auf Autobahnabschnitten, auf denen bisher tagsüber maximal Tempo 130 erlaubt war, soll man zwischen 19 und 6 Uhr auch schneller als 100 Stundenkilometer fahren dürfen.

Niederlande hat ein Stickstoff-Problem

Der niederländische Verkehrsclub ANBW – eine Partnerorganisation des deutschen ADAC – bezeichnete die Einführung von Tempo 100 als gewöhnungsbedürftig. Allerdings hätten 51 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage unter ANBW-Mitgliedern die Maßnahme zum Schutz der Natur als positiv bezeichnet – im Vergleich zu 34 Prozent, die Tempo 100 ablehnten.

Die Niederlande sind aufgrund von EU-Richtlinien dazu gezwungen, ihren Stickoxideausstoß zu reduzieren. Rutte verwies darauf, dass die Einhaltung der Grenzwerte für die Niederlande allerdings besonders schwierig sei. „Das ist eine Krise für unser Land und für die Regierung von bislang nicht gekanntem Ausmaß“, sagte er. Zu den Ursachen gehört Experten zufolge, dass die Niederlande nach der Inselrepublik Malta der am dichtesten besiedelte Staat in der EU ist und nur über wenig natürliche Ausgleichsflächen oder größere Naturschutzgebiete verfügt, in denen Stickoxid abgebaut wird.

Tempolimit und andere Maßnahmen

Der „Stickstoffplan“ der Regierung sieht neben Tempo 100 eine Reihe weiterer Maßnahmen vor. Unter anderem soll in der Rinderhaltung mehr enzymreiches Futter verwendet werden, wodurch Kühe weniger Ammoniak abgeben sollen. Umweltorganisationen wie Greenpeace hatten auch eine Reduzierung des Nutztierbestandes gefordert, was zu Protestaktionen von Bauern führte.

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