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Am Dienstagabend saß die Große Koalition für insgesamt eineinhalb Stunden zusammen. Und doch konnte man sich in puncto Rentenpaket einigen. Wir erklären, wen die beschlossenen Regelungen tatsächlich betreffen – wer verliert und wer profitiert.

Das Rentenpaket steht und kann schon am Mittwoch im Kabinett beschlossen werden. Und zwar mit vielen Zugeständnissen, die es bereits in den Koalitionsvertrag geschafft hatten. Interessant ist das beschlossene Rentenpaket für mehrere Gruppen der Bevölkerung.

1. Mütter

Die Mütterrente wird angehoben. Das stelle vor allem Mütter besser, die vor 1992 ein Erziehungsjahr gemacht hätten, sagt Hubertus Heil, der Bundesminister für Arbeit und Soziales. Außerdem profitieren von der Neuregelung auch Mütter, die nur ein oder zwei Kinder haben – die Mütterrente soll in Zukunft nämlich schon ab dem ersten Kind bezahlt werden und nicht wie ursprünglich geplant erst ab dem dritten. Für die rund sieben Millionen Mütter, die in diese Kategorie fallen, gibt es ab Januar 2019 einen halben Rentenpunkt zusätzlich – macht im Monat um die 16 Euro.

Mütterrente Grafik; Foto: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

So erklärt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Zusatzleistungen bei der Mütterrente.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Aber auch Väter können von der Regelung profitieren: Sie können sich unter Einverständnis der Mutter ein Erziehungsjahr anrechnen lassen.

2. Berufsunfähige durch Krankheit oder Behinderung

Stichwort Erwerbsminderungsrente – ein Kernthema der SPD. Menschen, die wegen Krankheit in Frührente gehen müssen, haben noch 2016 rund 14,7 Prozent Grundsicherung, Altersrentner nur zu 2,6 Prozent Grundsicherung bekommen. Diese Menschen haben deshalb noch zu ihrer Rente Grundsicherung bekommen, weil die Rente so gar nicht ausgereicht hätte.

Seit Anfang 2018 soll die Zurechnungszeit bei Rentenneuzugängen deshalb schrittweise um weitere drei Jahre verlängert werden. Ab 2019 sollen Betroffene dann so behandelt werden, wie hätten sie bis zum aktuellen Rentenalter gearbeitet. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales schreibt auf seiner Webseite: „Die Zurechnungszeit wird für Rentenzugänge im Jahr 2019 in einem Schritt auf 65 Jahre und acht Monate angehoben. Anschließend wird sie in Anlehnung an die Anhebung der Regelaltersgrenze weiter auf 67 Jahre verlängert.“

3. Geringverdiener

Wer wenig verdient muss erst ab einer höheren Grenze die vollen Sozialbeiträge zahlen. Genauer: Diese Grenze soll von 850 auf 1.300 Euro steigen. Und wer Jahrzehnte gearbeitet, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt hat, soll nach 35 Beitragsjahren eine Grundrente zehn Prozent über der Grundsicherung erhalten.

4. Beschäftigte ohne festen Arbeitsvertrag

All diejenigen, die ohne einen festen Arbeitsvertrag gearbeitet haben, und dann arbeitslos wurden, sollen ab 2019 einfacher Arbeitslosengeld bekommen.

5. Alle, die bis 2025 in Rente gehen

Für alle, die innerhalb der nächsten sieben Jahre in Rente gehen, gibt es mit dem Rentenpaket eine Garantie: Generell soll das Rentenniveau stabil bleiben – und zwar bis 2025. Heißt: Wer bis einschließlich 2025 in Rente geht, soll monatlich 48 Prozent seines Gehaltes ausgezahlt bekommen.

6. Beitragszahler

Der Beitragszahler – also alle diejenigen, die noch berufstätig sind und dementsprechend in die Rentenkasse einzahlen – gewinnt auf der einen Seite und verliert auf der anderen.

Positiv für den Beitragszahler ist immerhin: Das, was in die Rentenkasse eingezahlt werden soll, soll nicht höher als 20 Prozent des eigenen Einkommens sein.

Außerdem sinkt der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung mehr als eigentlich geplant: nämlich statt von 0,3 auf 0,5 Prozentpunkte. Das ist eine noch größere Senkung als im Koalitionsvertrag vereinbart. Bedeutet: Statt 3,0 sollen ab dem kommenden Jahr nur 2,5 Prozent vom Bruttogehalt für die Arbeitslosenversicherung abgezogen werden.

Die schlechte Nachricht: Auf dem Lohnzettel macht sich das nicht bei allen bemerkbar, weil die Pflegeversicherung gleichzeitig teurer wird. Nämlich um 0,5 Prozentpunkte.

Autor
Laura Bisch