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Vor 20 Jahren erschossen zwei Jugendliche an der Columbine High School zwölf ihrer Mitschüler und einen Lehrer. Für viele der Betroffenen ist die Erinnerung an den Tag eine Qual, an der sie fast zerbrechen.

Sie brauchen keinen Eintrag im Kalender, um sich den Tag zu merken. Es ist ein Tag, den Michael Shoels am liebsten aus dem Kalender streichen würde. Sein Sohn Isaiah ist an der Columbine High School erschossen worden.

„Wir versuchen, von der Sache wegzubleiben“

Der 20. April ist für ihn ein besonders schwerer Tag: „Das ist, wie den Tod feiern“, sagt er. „Seinen Geburtstag am 4. August, den feiern wir. Am 20. versuchen wir, so weit es geht von der Sache wegzubleiben.“

Überlebender des Amoklaufs an der Columbine High School; Foto: Reuters

Ein Überlebender des Amoklaufs an der Columbine High School bricht während der Gedenkfeier in Tränen aus.

Reuters

In der Columbine High School ist es offiziell ein „Tag des Freiwilligendienstes“. Am Jahrestag werden sich ehemalige Schüler und Lehrer hinter verschlossenen Türen treffen. Nachmittags gibt es dann eine öffentliche Veranstaltung an der Gedenkstelle hinter der Schule.

Gedenken bald kleiner, privater?

Nur wenige Meter von der Schule entfernt, hinter den Sportfeldern, liegt die Gedenkstätte. Ein Kreis mit Inschriften der Opfer ist der Mittelpunkt, drumherum eine Mauer mit Statements von Schülern, Eltern, Lehrern. „Ich hatte keine Antworten“ steht da.

Gedenkstätte für Opfer des Amoklaufs an der Columbine High School; Foto: picture alliance/David Zalubowski/AP/dpa

Menschen gehen während einer Mahnwache durch die Gedenkstätte für die Opfer des Massakers an der Columbine High School.

picture alliance/David Zalubowski/AP/dpa

„Ich denke, dass dies die letzte öffentliche Gedenkfeier wird, die wir machen“, sagt der ehemalige Schulleiter, Frank De Angelis. Es ist interessant, dass beispielsweise nach Parkland nicht so eine große Gedenkfeier gemacht wurde.“ An der Columbine High School habe man es zum ersten, zweiten, dritten, fünften und zehnten Jahrestag gemacht - und jetzt wieder. „Die anderen haben das privater gemacht“, sagt De Angelis. „Davon können wir lernen.“

„Licht am Ende dieses dunklen, vertrackten Tunnels“

Heather Martin merkt schon seit Wochen, dass das Erinnern, dieser 20. April hart werden wird. Sie wird in ihre alte Schule gehen, aber sie will sich zu nichts verpflichten. Wenn es ihr an diesem Tag wirklich schlecht geht, will sie die Möglichkeit haben, alle Termine abzusagen. Denn wie der Tag wird, weiß man nie – die Erfahrung hat Heather in den vergangenen 20 Jahren oft genug gemacht:

„Der 15. Jahrestag war einer der einfachsten, die ich je erlebt habe. Der 16. war ganz okay. Beim 17. war ich komplett fertig. Man weiß das nie vorher.

Aber die Botschaft der Columbine High School an diesem Tag ist für sie völlig klar: „Da ist Licht am Ende dieses dunklen, vertrackten Tunnels. Ich bin stolz, wie weit wir gekommen sind. Stolz darauf, Columbine zu sein und der Welt zu zeigen, dass man die unüberwindlichsten Hindernisse doch überwinden kann.“

Der 20. April wird der Tag bleiben, der alles verändert hat

De Angelis, ein gläubiger Katholik, freut sich, wenn alles vorbei ist: „Ich freue mich auf den 21. April, Ostersonntag. Für mich ist das sehr symbolträchtig, weil es einen Neuanfang bedeutet.“

Aber der 20. April wird auch in allen kommenden Jahren eine Zäsur im Leben der Hinterbliebenen und Überlebenden sein. Der Tag, der alles verändert hat.