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Novemberrevolution, Pogromnacht, Mauerfall: Der 9. November gilt als „Schicksalstag der Deutschen“. In Berlin erinnerten Politiker und Zeitzeugen an diese historischen Ereignisse.

Mit mehreren Gedenkveranstaltungen wurde in Berlin an den 100. Jahrestag der Ausrufung der Republik und an die Pogromnacht von 1938 erinnert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Parlamentspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) sprachen im Bundestag.

Beide Politiker wollten unter der Überschrift „Schicksalstag der Deutschen“ an die Novemberrevolution 1918 und die antisemitischen Ausschreitungen vor 80 Jahren erinnern. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 waren zahlreiche Synagogen und jüdische Geschäfte geplündert und zerstört worden. Die Pogrome waren der Beginn der systematischen Judenverfolgung in Deutschland.

Steinmeier gegen Ausgrenzung

Bundespräsident Steinmeier zielte bei seiner Ansprache stärker auf den nötigen Kampf gegen nationalistische Tendenzen ab:

Wir dürfen nicht zulassen, dass einige wieder von sich behaupten, allein für das 'wahre Volk' zu sprechen, und andere ausgrenzen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier während der Gedenk-Zeremonie, mit der an die Pogromnacht 1938 erinnert wurde. ; Foto: dpa/picture-alliance

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier während der Gedenk-Zeremonie, mit der an die Pogromnacht 1938 erinnert wurde.

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Steinmeier rief zudem dazu auf, Nationalisten nicht die Farben der deutschen Flagge zu überlassen.

Danach gab es langanhaltenden Beifall im Bundestag. Hintergrund ist die starke Präsenz von Deutschland-Flaggen, zum Beispiel auf Pegida-Demonstrationen.


Erinnerung an Pogromnacht

Der Zentralrat der Juden in Deutschland erinnerte in der Berliner Synagoge in der Rykestraße an die antisemitischen Ausschreitungen damals. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Zentralratspräsident Josef Schuster hielten dort kurze Ansprachen. Unter anderem riefen sie zu einem entschlossenen Kampf gegen Nationalismus und Antisemitismus auf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster; Foto: dpa/picture-alliance

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster bei der Zentralen Gedenkveranstaltung in der Synagoge Berliner Rykestraße zum 80. Jahrestag der „Pogromnacht“ von 1938 .

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Der Rechtsstaat darf keine Toleranz zeigen, wenn Menschen aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe angegriffen werden.

Angela Merkel (CDU)


Darüber hinaus warnte Merkel vor einem besorgniserregenden Antisemitismus:

Dieser Antisemitismus entlädt sich zunehmend offen, in einer teils ungehemmten Hetze im Internet wie auch im öffentlichen Raum.

Angela Merkel (CDU)

Merkel verwies nicht nur auf rechtsradikale Täter – auch antisemitische Tendenzen bei Muslimen in Deutschland dürften nicht akzeptiert werden. Weder Merkel noch Steinmeier nannten eine konkrete Partei.

Die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, hat mehr Engagement gegen Antisemitismus gefordert und die AfD angegriffen: „Diese Partei hat bis jetzt nur bewiesen, dass sie die Demokratie strapaziert, dass sie die Meinungsfreiheit strapaziert und dass sie einen richtigen Judenhass in Gang gebracht hat“, sagte sie im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Rosen für die Opfer der deutschen Teilung

Berlin gedenkt außerdem des Mauerfalls vor 29 Jahren. In der zentralen Gedenkstätte an der Bernauer Straße sollten am Nachmittag Rosen für die Opfer der deutschen Teilung niedergelegt und Kerzen entzündet werden. In der Kapelle der Versöhnung auf dem früheren Todesstreifen war eine Andacht geplant.

Die deutsche Teilung dauerte mehr als 28 Jahre. Allein in Berlin starben nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mindestens 140 Menschen durch das DDR-Grenzregime.

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