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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie verleibt sich gerade alles ein, was ihm in die Quere kommt. Es ist so aktiv wie nie, seit Beginn der Beobachtungen. Wird es uns gefährlich?

Was die Forscher an der Universität von Kalifornien (UCLA) noch nicht herausgefunden haben: warum das Schwarze Loch gerade so aktiv ist. „Wir haben in den 24 Jahren, die wir das supermassereiche Schwarze Loch untersuchen, nichts Vergleichbares gesehen“, schreibt UCLA-Forscherin Andrea Ghez in einer Mitteilung.

Das Schwarze Loch sitzt in der Mitte der Milchstraße, unserer Galaxie. Es vereint die Masse von rund vier Millionen Sonnen. Das Schwarze Loch selbst ist zwar nicht zu sehen, wohl aber die Materie, die von ihm angezogen wird. Die erhitzt sich und leuchtet hell auf, wenn sie in den Schwerkraftstrudel gezogen wird. Dann verschwindet die Materie auf Nimmerwiedersehen hinter dem Ereignishorizont.

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Schwarzes Loch sonst eher ruhig

Manche supermassereichen Schwarzen Löcher erzeugen auf diese Weise mehr Strahlung als die gesamte Galaxie, in der sie sitzen. Nicht aber das Schwarze Loch in der Milchstraße: „Es ist normalerweise ein ziemlich ruhiges, schwächliches Schwarzes Loch auf Diät“, sagt Ghez.

Die Forscher analysierten Daten von etwa 13.000 Messungen seit 2003 und fanden heraus, dass das Schwarze Loch seit Mitte Mai 2019 plötzlich doppelt so hell leuchtet, wie auf der hellsten sonstigen Aufnahme. „Die große Frage lautet, ob das Schwarze Loch in eine neue Phase eintritt“, sagt UCLA-Forscher Mark Morris.

Forscher wollen Ursache klären

Die Forscher wollen herausfinden, warum das Schwarze Loch im Moment so hell glüht. Eine Möglichkeit sei, dass im Moment einfach mehr interstellares Gas hineinstrudele. Es könnten aber auch große Asteroiden oder einzelne Gasklumpen eingesaugt werden. Auch der Stern „S0-2“ könnte am Mega-Glühen schuld sein. Er umkreist das Schwarze Loch auf einer Umlaufbahn, die ihn sehr nah an den Ereignishorizont führt. Möglicherweise könnte er dabei große Mengen Gas verloren haben.

Keine Gefahr für die Erde

Wer jetzt ein mulmiges Gefühl in der Magengegend hat, kann den Termin beim Internisten wieder absagen. Die steigende Aktivität des Schwarzen Loches ist keine Gefahr für die Erde. Es ist etwa 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt - das sind fast 246 Billiarden Kilometer. Die Strahlung müsste mindestens zehn Milliarden Mal so stark sein wie beobachtet, um für das Leben auf der Erde eine Rolle zu spielen.

Erstes Foto eines Schwarzen Loches

Das erste Bild eines schwarzen Lochs; Foto: Twitter/ Event Horizon Telescope
Twitter/ Event Horizon Telescope

Erst im April ist es Wissenschaftlern zum ersten Mal gelungen, ein Schwarzes Loch zu fotografieren. Sie schlossen mehrere riesige Teleskope auf der Erde zusammen – unter anderem in Chile, der Antarktis und in Hawaii. Das Projekt nannten sie „Event Horizon“.

Die Daten wurden im Bonner Max-Planck-Institut zusammengerechnet – insgesamt etwa 4 Petabyte, also 4.000 Terrabyte. Das Schwierige an der Sache: Nur wenn alle Radiosignale in gleicher Frequenz, gleicher Qualität und exakt gleichzeitig aufgenommen vorliegen, lassen sie sich miteinander kombinieren.

Ergebnisse, zu gut um wahr zu sein?

So entstand aus den Signalen ein Bild – das erste Foto vom Schwarzen Loch im Zentrum der Galaxie M87. Die Ergebnisse waren so eindrucksvoll, dass die Wissenschaftler ihren Erfolg erst selbst kaum glauben konnten.

„Viele von uns haben gedacht: Das kann ja noch gar nicht stimmen, das kann nicht richtig sein. Und erst mit der Zeit haben wir tatsächlich realisiert: Wir haben es geschafft! Wir haben dieses Bild herstellen können und es hat eine Qualität, die überzeugt“, sagte Anton Zensus, Astrophysiker am Bonner Max-Planck-Institut.

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Björn Widmann
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