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Mario Demuth
Mario Demuth, SWR3; Foto: SWR3
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Ganz Frankreich ist im Streik – wegen einer geplanten Rentenreform. Auch am Freitag kommt es daher zu Einschränkungen im Bahn-, Bus- und Flugverkehr. Die sind auch bei uns im Südwesten spürbar.

Für Reisende in Frankreich wird es auch am Freitag kompliziert. Sie müssen sich auf Behinderungen im Nah- und Fernverkehr sowie an Flughäfen einstellen. Grund sind weitere Streiks gegen die Rentenreform der Regierung von Präsident Emmanuel Macron. Bereits am Donnerstag war der öffentliche Verkehr landesweit nahezu lahmgelegt.

TGV-Züge fahren nicht

Abgestellte TGV-Züge im Gare de Lyon; Foto: imago images / IP3press

Abgestellte TGV-Züge im Gare de Lyon

imago images / IP3press

Die französische Staatsbahn SNCF warnt weiterhin vor starken Störungen des Verkehrs. Neun von zehn TGV-Hochgeschwindigkeitszügen werden ausfallen – das hatte die französische Staatsbahn SNCF schon am Dienstag angekündigt. Im Regionalverkehr soll nur jeder dritte Zug fahren.

Bis Sonntag können auf der SNCF-Webseite wegen des Streiks keine Tickets gekauft werden. Wer bereits Tickets gekauft hat, könne diese kostenlos umbuchen oder stornieren, so SNCF weiter. Auch die Pariser Metro war am Donnerstag weitgehend zum Erliegen kommen. Am Streik beteiligten sich außerdem Angestellte der Krankenhäuser, Polizei und Feuerwehr, der Schulen und der Müllabfuhr.

Bahnausfälle in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

Die massiven Streiks haben Auswirkungen auf den grenzüberschreitenden Bahnverkehr nach Deutschland. Der Zugverkehr auf den beiden Bahnstrecken zwischen der Südpfalz und dem Elsass ist bereits seit Mittwochabend gesperrt. Die Deutsche Bahn warnt auf ihrer Homepage vor Verspätungen und kurzfristigen Zugausfällen auf der Strecken zwischen Wörth und Lauterburg sowie zwischen Winden und Weißenburg.

Geduld müssen auch Kunden im Fernverkehr von und nach Frankreich haben. Die Deutsche Bahn kündigt auf ihrer Webseite an, dass Zugverbindungen vermutlich über die Streiktage komplett ausfallen. Davon seien die Verbindungen der TGVs und ICEs von Paris Est nach Frankfurt über Saarbrücken und Mannheim nach Frankfurt, der TGV von Marseille nach Frankfurt über Strasbourg und Mannheim und die ICE- beziehungsweise TGV-Verbindung von München über Stuttgart und Strasbourg nach Paris Est betroffen. Fahrgäste können ihre Fahrkarten kostenfrei auf einen anderen Reisetag umbuchen.

Aktuelle Infos der Deutschen Bahn gibt es hier!

Proteste auch in anderen Bereichen

Aber nicht nur die Bahn ist vom französischen Generalstreik betroffen: Auch Flugreisende müssen mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Die französische Zivilluftfahrtbehörde rief die Airline auf, ihr Flugaufkommen am Freitag um ein Fünftel zu reduzieren. Das gelte auch für die internationalen Flughäfen Charles de Gaulle und Orly, den außerhalb von Paris gelegenen Flughafen Beauvais sowie Lyon, Marseille, Toulouse und Bordeaux.

In Paris wird auch die Metro weiter bestreikt. Der Betreiber RATP kündigte an, dass zehn Linien komplett geschlossen bleiben. Die Linien, die ohne Fahrer automatisch gesteuert werden, sollen im normalen Takt weiter fahren.

Warum streiken die Franzosen?

Der Grund für den Generalstreik ist eine geplante Rentenreform. Sie gilt als wichtigste Sozialreform in der noch bis 2022 dauernden Amtszeit von Staatschef Emmanuel Macron. Das neue System soll von 2025 an eingeführt werden und die Zersplitterung in 42 Einzelsysteme für bestimmte Berufsgruppen beenden. Arbeitnehmer sollen dadurch auch dazu gebracht werden, länger zu arbeiten – sprich später in Rente zu gehen. Dagegen wehren sich nun viele Franzosen. Das Renteneintrittsalter liegt in Frankreich derzeit bei 62 Jahren.

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