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Der Plan hat für viel Aufsehen gesorgt: Eine Seilbahn soll Besucher direkt vom Elsass in den Europapark in Rust bringen. Noch ist das Projekt eine Vision – auch weil es jetzt schon Widerstand dagegen gibt.

Der Europapark plant eine direkte Verbindung nach Frankreich. Michael Mack, der Geschäftsführer des Freizeitparks, stellte am Mittwochabend die Pläne vor: Demnach könnte künftig eine Seilbahn zwischen dem Elsass und dem Europapark hin- und herfahren.

Verkehrsprobleme rund um Rust

Damit will der Europapark gleich mehrere Probleme lösen. Zum einen kommen jedes Jahr 1,3 Millionen Menschen aus Frankreich in den Park – das ist jeder fünfte Besucher. Zumanderen pendeln täglich rund 1.500 Mitarbeiter über die Grenze. Das führt immer wieder zu Verkehrsproblemen in und um Rust.

So könnte die Seilbahn zum Europapark verlaufen. Öffentliche Pläne gibt es bisher noch nicht.; Foto: SWR

So könnte die Seilbahn zum Europapark verlaufen. Öffentliche Pläne gibt es bisher noch nicht.

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Und die könnten bald auch noch schlimmer werden, denn der Europapark arbeitet gerade an einer neuen Wasserwelt. Die wird noch mehr Besucher anlocken und auch neue Mitarbeiter aus Frankreich. Da im Elsass viele Menschen arbeitslos sind, rechnen die Chefs des Parks mit vielen Bewerbern aus dem Nachbarland.

„Projekt mit Symbolcharakter“

Für die Familie Mack, die Besitzer des Europaparks, scheint die Seilbahn da die beste Lösung. Dadurch würden die Straßen rund um Rust und die vorhandenen Parkplätze des Parks entlastet, hieß es. Außerdem wollen sie mit der Verbindung zwischen zwei Ländern ein Zeichen setzen. „Es ist ein Projekt mit großen Symbolcharakter“, sagte Mack. Man wolle damit Grenzen überwinden und ein Zeichen für das Zusammenwachsen zweier Länder und für ein gemeinsames Europa setzen.

Geplant ist eine rund fünf Kilometer lange Seilbahn, die entweder nach Rhinau oder nach Diebolsheim im Elsass führt. Öffentliche Pläne für das Projekt gibt es noch nicht. Aber Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist bereits informiert. Auf Twitter veröffentlichte Mack ein gemeinsames Foto. Er schrieb dazu: „Am gleichen Tag Geburtstag, die gleiche Vision, die gleiche Hoffnung für die Zukunft, dass es wahr wird!“

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Und auch Macron scheint begeistert von der Idee. Er twitterte: „Der Europapark hat sich entschlossen in Frankreich zu investieren. Das ist die Krönung eines wahren deutsch-französischen Projekts, das Tausende von Arbeitsplätzen schaffen wird.“

Seilbahn durch Naturschutzgebiet?

Doch es gibt Kritik an dem Großprojekt. Denn: Die Seilbahn würde – je nach Streckenverlauf – über den Taubergießen fahren. Das ist eines der größten Naturschutzgebiete in Baden-Württemberg. In der urwaldartigen Flusslandschaft gibt es viele seltene Tiere und Pflanzen.

Der Europapark selbst macht auf seiner Homepage Werbung für den Taubergießen. Dort ist von einem „wunderschönen Naturschutzgebiet“ die Rede, die „eine abwechslungsreiche Natur mit Orten für einen Moment der Stille“ bietet.

„Der Wille ist da“

Kai-Achim Klare, Bürgermeister von Rust, sagte im SWR, dass deshalb auch noch einige Dinge geklärt werden müssten. Man müsse das Projekt ökologisch abstimmen. „Das ist die Voraussetzung dafür, dass die Seilbahn bei uns in der Bevölkerung eine breite Akzeptanz findet“, erklärte er. Dann sehe er aber eine gute Chance darin, gemeinsam mit dem Nachbarland zu wachsen. „Wir haben dort Natura-2000-Gebiete, FFH-Gebiete - von daher ist es nicht so ganz leicht, aber der Wille ist da“, erklärte der Ortenauer Landrat Frank Scherer. Erste Vorprüfungen hätten gezeigt, dass das Projekt nicht unmöglich sei.

Kritiker sagen, dass das Ökosystem im Taubergießen durch die Bauarbeiten und den dauerhaften Betrieb einer Seilbahn Schaden nehmen könnte. Auch auf der französischen Seite gibt es ein Naturschutzgebiet, die Rhinau-Insel. Wie die französischen Behörden zu dem Projekt stehen, ist noch nicht bekannt.

Sollte die Seilbahn von allen beteiligten Behörden genehmigt werden, könnte der Bau nach Angaben des Europaparks in den kommenden fünf Jahren in Angriff genommen werden. Der Park plant dafür Investitionen im zweistelligen Millionenbereich.

Autor
Isabel Gebhardt
Autor
SWR3