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Tim Stobbe
Tim Stobbe, SWR3; Foto: SWR3
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Tonnenweise Käse lagern im Tölzer Kasladen in Oberbayern. Manchen Nachbarn stinkt das: Eine Anwohnerin hat „Geruchswarnschilder“ an dem Laden angebracht. Das hat das Landgericht München ihr nun untersagt.

„Geruchswarnschilder“ verboten, von Gestank sprechen erlaubt: Im Streit um angeblich unangenehme Gerüche aus einem Käseladen in Oberbayern hat ein Gericht in München ein Urteil gefällt. Es untersagte einer Nachbarin des Tölzer Kasladens in Bad Heilbrunn, Zettel an dem Geschäft anzubringen, um ihrem Unmut über die Gerüche Ausdruck zu verleihen. Sie darf aber weiter öffentlich sagen, dass es nach ihrem Empfinden stinkt. „Das ist eine Meinungsäußerung“, erklärte eine Gerichtssprecherin.

Was hatte die Nachbarin getan?

Schild vor Käseladen; Foto: picture alliance/Angelika Warmuth/dpa Käseregal

Um dieses Schild mit einer gerümpften Nase ging es vor Gericht.

picture alliance/Angelika Warmuth/dpa Käseregal

Die Nachbarin hatte Bilder mit einem roten Warndreieck mitsamt einer Nase und Geruchsschwaden darin aus dem Internet ausgedruckt und am Laden befestigt. Diese Schilder verletzten das Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb, das diesen schütze, erklärte die Gerichtssprecherin. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es sind Rechtsmittel möglich. Die Käsefehde zieht sich schon seit Jahren hin. Weitere Verfahren sind offen.

Der Inhaber, Wolfgang Hofmann, wie auch die Nachbarin, Manuela Kragler, sind erstmal zufrieden mit dem Urteil. „Mir fällt erst mal ein Stein vom Herzen, dass die Plakate nicht mehr aufgeklebt werden dürfen“, sagte Hofmann, der geklagt hatte und nun 75 Prozent der Prozesskosten tragen muss. Kragler, die 25 Prozent der Kosten tragen muss, sagte: „Ich bin froh, dass die Meinungsäußerungen korrekt sind, und dass ich weiter sagen darf, wie ich das empfinde.“

Nachbarn: Käsegeruch kommt aus den Steckdosen

„Wir haben erst versucht, eine gütliche Einigung zu erreichen“, sagte Kragler. Seit mehr als drei Jahren litten die Nachbarn nun: Der Käsegeruch ziehe durch geöffnete Fenster der Käseräume nach oben, komme aber auch durch Steigleitungen, den Sicherungskasten und sogar aus den Steckdosen. Der Einbau von Lüftungsanlagen hätte helfen können. Doch eine Lösung sei nicht gelungen. Stattdessen eskalierte der Streit immer mehr.

Käseladen will umziehen

Wie immer die Prozesse ausgehen – gute Nachbarschaft scheint nicht mehr möglich. „Wir haben einen neuen Standort in Aussicht, aber wir warten auf die Genehmigung des Landratsamts“, sagt Käsladeninhaber Hofmann. Das wünscht auch Manuela Kragler ihrem Nachbarn – nämlich dass er „möglichst rasch“ andere Räume findet, wo er sein Gewerbe ausüben kann und niemanden mit den Gerüchen stört.

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Tim Stobbe
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SWR3 mit dpa