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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Sie wolle Plastiktüten weitgehend verbieten – das hatte Bundesumweltministerin Schulze zuletzt angekündigt und einen Gesetzentwurf vorgelegt. Den hat das Bundeskabinett jetzt durchgewunken.

Dünne Plastiktütchen; Foto: imago images / Jochen Tack

Das sind sie: die sogenannten Hemdchentüten. Sie bleiben zumindest erst mal noch.

imago images / Jochen Tack

Die Bundesregierung hat das Verbot von Plastiktüten beschlossen. Damit werden die Tragetaschen ab dem kommenden Jahr nicht mehr in den Märkten zu finden sein. Es gibt aber auch Ausnahmen.

Stabile Mehrwegtaschen aus Plastik bleiben weiter erlaubt. Und auch die dünnen Beutel, die dazu benutzt werden, Obst und Gemüse einzupacken, sollen weiter erlaubt bleiben. Das Umweltministerium befürchtet, dass das Obst und Gemüse sonst abgepackt wird – und dann noch mehr unnötiger Plastikmüll entsteht. Aber auch diese Tütchen sollen in Zukunft ersetzt werden – nämlich durch wiederverwendbare Netze, sagte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Auch Bio-Plastiktüten sind verboten

Unter das Verkaufsverbot fallen auch Tüten auf Bio-Basis. Vor der Annahme, sogenanntes Bio-Plastik löse die Umweltprobleme, hatte Schulze erst vor wenigen Wochen gewarnt:

Das angebliche Bio-Plastik ist leider meistens eine Mogelpackung und verrottet nicht wie echter Biomüll. Es gibt so gut wie kein umweltfreundliches Bio-Plastik auf dem Markt.

Svenja Schulze (SPD), Bundesumweltministerin

Wer sich nicht daran hält, der muss bezahlen

Wenn sich Händler nicht an das Verbot halten, sollen sie Strafen von bis zu 100.000 Euro bezahlen. Es müsse sich etwas verändern, betonte Schulze:

Ich habe das Verbot auf den Weg gebracht, weil es mir wirklich ernst ist mit dem Ausstieg aus dieser Wegwerf-Mentalität. Dinge nur ein paar Minuten zu benutzen und sie dann einfach wegzuwerfen – so geht das nicht weiter.

Svenja Schulze (SPD), Bundesumweltministerin

Seit 2016 gibt es eine freiwillige Selbstverpflichtung des Handels, die Plastiktaschen an der Ladenkasse nicht umsonst rauszugeben. Mit Erfolg: Im Vergleich zu 2015 hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch von Plastiktüten mehr als halbiert – das zeigen Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung. Heute greift jeder Deutsche im Schnitt nur noch 24 Mal im Jahr an der Ladenkasse zur Plastiktüte – also grob alle zwei Wochen ein Mal. Damit wurde das Einsparziel der EU von 40 Tüten pro Kopf bereits unterboten.

„Plastiktüten sind nicht das Problem“

Der Handelsverband HDE hatte das geplante Verbot bereits kritisiert. Man habe sich an die Selbstverpflichtung gehalten und die Forderung der Umweltministerin sogar übererfüllt – trotzdem komme jetzt das Verbot.

Aber auch Umweltverbände sehen das Verbot mit gemischten Gefühlen – denn es geht ihnen nicht weit genug. Papiertüten etwa sind zwar in der Umwelt leichter abbaubar, haben sonst aber keine bessere Ökobilanz als Plastik, wie der Nabu betonte.

Selbst ein Sprecher des Bundesumweltministeriums hatte noch im Frühjahr gesagt, bei den Plastiktüten gehe es „im Grunde genommen um Peanuts“: Sie machten weniger als ein Prozent des Verpackungsaufkommens aus Kunststoff aus.

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Björn Widmann
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Laura Bisch
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