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In der hessischen Fußball-Kreisliga musste ein Spiel nach tätlichen Angriffen auf den Schiri abgebrochen werden. Der Betroffene klagt an: „Man wird als Schiedsrichter alleingelassen.“

Turgay Sukan ist Schiedsrichter aus Leidenschaft. „Ich liebe den Fußball“, sagte er dem Sport-Informations-Dienst, doch die Vorfälle bei einem Spiel am 17. November seien der Tiefpunkt gewesen.

Schiri noch auf dem Weg in die Kabine angegriffen

An dem Sonntag trafen im hessischen Offenbach die SKG Rumpenheim II und Sparta Bürgel II aufeinander. Der Ärger begann in der 80. Minute, als Sukan einen Elfmeter für Rumpenheim pfiff. Nach eigenen Angaben sei er daraufhin von einem Bürgeler Spieler beleidigt worden. Als Reaktion vergab der Schiedsrichter die Rote Karte.

Die Spieler von Sparta Bürgel eskalierten: Er sei mehrfach beleidigt und sogar bespuckt worden. Nach einem weiteren Platzverweis gegen einen der Spieler seien auch ein Trainer und mehrere Ersatzspieler hinzugekommen. Es habe eine regelrechte Rudelbildung gegeben, so der Schiri. Er habe daraufhin versucht, in die Kabine zu fliehen. Auf dem Weg dorthin habe ein verletzter Bürgeler Spieler ihn durch einen Kopfstoß und mit einem Regenschirm attackiert.

Gewalt gegen Schiedsrichter häuft sich

Der Vorfall in Offenbach ist bei weitem kein Einzelfall. Immer wieder ist zu hören, dass gerade im Amateurfußball Schiedsrichter beleidigt, bedroht und tätlich angegriffen werden. Erst Ende Oktober hatte in der Kreisliga Dieburg ein Spieler den Schiri bewusstlos geschlagen – auch hier gab es Streit um eine Rote Karte.

SWR3-Redakteur Gregor Glöckner verurteilt die Angriffe auf Schiedsrichter:

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Betroffener Schiri fordert härtere Strafen

Wie es für Turgay Sukans Schiri-Karriere jetzt weitergeht, weiß er selbst noch nicht. Momentan fehle ihm die Motivation, nach den Angriffen noch einmal als Unparteiischer einen Fußballplatz zu betreten, sagte er op-online. Kein einziger Spieler der beiden Teams sei eingeschritten, als er angegriffen wurde. Er fühle sich als Schiedsrichter alleingelassen.

Sukan kritisiert, dass die Strafen für Angriffe auf Schiris zu mild seien. Härtere Strafen seien notwendig, ansonsten werde der Respekt vor Schiedsrichter immer weiter schwinden.

Der Hessische Fußballverband hat derweil den Vorfall bei dem Spiel in Offenbach verurteilt. Es sollen jetzt neue Maßnahmen geplant werden, um die Gewalt gegen Schiris wieder in den Griff zu bekommen.