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Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic, SWR3; Foto: SWR
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Hongkong hat eine der gewalttätigsten Nächte seit Wochen hinter sich. Bis weit in die Nacht haben sich pro-demokratische Demonstranten und Polizisten in der chinesischen Sonderverwaltungsregion Straßenschlachten geliefert.

Die Bilanz einer weiteren Nacht der Gewalt in Hongkong: Die Krankenhäuser der Stadt melden mehr als 50 Verletzte. Einer von ihnen befindet sich in kritischem Zustand. Die Polizei hat mehr als 200 Menschen festgenommen.

Peking will hart gegen Vandalismus vorgehen

Die Regierung der ehemaligen britischen Kolonie hat die gewaltsamen Proteste aufs Schärfste verurteilt. Man werde weiter hart gegen Vandalismus vorgehen, um die öffentliche Ordnung wiederherzustellen, heißt es in einer Mitteilung. 

Im Anschluss an eine nichtgenehmigte Demonstration gestern Nachmittag errichteten Aktivistinnen und Aktivisten Barrikaden an verschiedenen Orten im Zentrum Hongkongs. Sie warfen selbst gebastelte Brandsätze und Pflastersteine in Richtung Polizei.

Büro der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua angegriffen

Gewalttätige Demonstrierende beschädigten U-Bahnstationen, Geschäfte und griffen erstmals auch das Büro der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua an, wo sie die Fensterscheiben einwarfen. An der Station Hongkong Central legten Demonstrierende ein Feuer.

Die Hongkonger Polizei schaffte es nicht, die gewalttätigen Proteste einzudämmen, trotz ihrer neuen Taktik, schnell und hart gegen die Aktivisten vorzugehen. Sie setzte Wasserwerfer, Gummigeschosse, Tränengas, Knüppel und Pfefferspray ein. Zwei genehmigte Demos wurden wegen der bis in den Abend anhaltenden Ausschreitungen abgebrochen.

Stimmung in Hongkong zurzeit besonders aufgeheizt

Seit Juni gibt es in Hongkong Woche für Woche Proteste gegen die Regierung, die immer wieder in Gewalt umschlagen. Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch ein geplantes Gesetz, das es ermöglichen sollte, Verdächtige nach Festland-China auszuliefern. Dort gibt es im Gegensatz zu Hongkong keine Rechtsstaatlichkeit. Die Regierung hat das Auslieferungsgesetz inzwischen zurückgezogen. Die Proteste gehen trotzdem weiter.

Die Stimmung in Hongkong ist zurzeit sogar noch aufgeladener. In dieser Woche war der Anführer der Demokratiebewegung, Joshua Wong, als Kandidat für die Wahl der Bezirksräte disqualifiziert worden.