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Der Datenskandal bei Facebook hat uns aufschrecken lassen. Jetzt steht auch die Dating-App Grindr für Schwule in der Kritik. Zu Recht?

Wer sich ein Profil bei der schwulen Dating-App Grindr macht, kann auch seinen HIV-Status angeben: Positiv? Negativ? Wann war der letzte Test? Wer über die App schnelle Dates sucht, für den mag diese Information interessant sein. Ein Forschungsinstitut aus Norwegen hat bei einem Experiment für einen TV-Sender entdeckt, dass Grindr diese sensiblen Daten offenbar mit externen Firmen geteilt hat.

Grindr gibt Weitergabe an zwei Firmen zu

HIV-Test; Foto: dpa
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Unter den Datenmengen ist nicht nur der HIV-Status, sondern auch der genaue Wohnort des Users – die GPS-Freigabe ist ein zentrales Feature der App, um sich für ein Date gegenseitig zu finden.

Grindr hat zugegeben, diese Informationen mit den Firmen Apptimize and Localytics geteilt zu haben, wenn die User sie in ihren Profilen drin hatten – laut Mitteilung aber nur während einer Optimierungsphase der App.

Die Firmen seien außerdem streng dazu verpflichtet, die Userdaten zu schützen.

Höchst sensible Daten

Die Kritik an Grindr ist insofern berechtigt, als dass sie höchst sensible Userdaten externen Firmen überlassen haben, ohne dass die User konkret davon wussten. Die Daten sind in der Tat sensibel, denn: Die Profilangaben, inklusive HIV-Status, sind schließlich mit einer Mailadresse verknüpft, über die sich ein Mensch identifizieren lässt. Dennoch wirft dieser Fall auch eine andere Frage auf, die wir uns alle wohl dringend noch mal stellen sollten:

Gehen wir sorgsam genug mit unseren Daten um?

Dating-App Grindr; Foto: dpa
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In seiner Stellungnahme zu den Vorwürfen verweist Grindr auf einen beachtenswerten Punkt: Es sei wichtig, sich bewusst zu machen, dass die App eine öffentliche Plattform sei. Die User bekämen die Möglichkeit, Informationen über sich zu teilen – auch ihren HIV-Status. In den Privatsphäre-Einstellungen mache man klar, dass diese Informationen öffentlich zu sehen seien. Die User sollten sich also genau überlegen, was sie in ihren Profilen mitteilen wollten.