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Die dreistesten Werbelügen werden durch den Goldenen Windbeutel gekrönt. Dieses Mal geht er an Coca Cola: für Smartwater. Die Kritik: Das Wasser ist nicht besser als jedes andere Mineralwasser. Aber was bewirkt dieser Negativpreis? Ändern Hersteller dann wirklich ihre Produkte?

Foodwatch wählte fünf Kandidaten aus 120 Produkten aus, über die sich Verbraucher auf der Foodwatch-Beschwerdeplattform Schummelmelder beschwert hatten. Über den Negativpreis konnten Verbraucher bis vor Kurzem abstimmen. Nun steht der zweifelhafte Gewinner fest: Glacéau Smartwater von Coca-Cola. Das Wasser sei ein ganz normales Mineralwasser – nur siebenmal so teuer.

Ein weiterer Kandidat auf den Preis war der Milchbrei von Bebivita in der Variante Keks, denn dieser wirbt mit Calcium, Eisen und Jod sowie für ein gesundes Wachstum. Nach Foodwatch sei diese Babynahrung aber eine „Zuckerbombe“.

Bebivita: Der Zucker kommt weg

Nach Protesten von Verbrauchern auf dem Schummelmelder hat der Babynahrungshersteller Bebivita nach Angaben der Organisation angekündigt, künftig keinen Milchbrei mehr mit zugesetztem Zucker zu verkaufen.

Das Tochterunternehmen von Hipp erklärte demnach gegenüber Foodwatch, zugesetzten Zucker aus allen Bebivita Milchbrei-Rezepturen zu entfernen. Die Produkte mit den neuen Rezepturen sollen demnach ab April 2019 im Handel sein.

Das waren die fünf Windbeutel-Kandidaten:

Foto zeigt die fünf Kandidaten für den goldenen Windbeutel; Foto: Quelle: Foodwatch

Quelle: Foodwatch

Quelle: Foodwatch

Der Erbsen-Eintopf Gut & Günstig von Edeka

Auf dem Etikett wird mit ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe geworben – der Eintopf enthält, laut foodwatch, zehn Zusatzstoffe.

Der Corny Milch-Riegel von Schwartau

Der Riegel wirbt mit Plus an Calcium, besteht laut foodwatch zur Hälfte aus Fett und Zucker.

Der Kids-Tomato-Ketchup von Heinz

Der Kinder-Ketchup ist ca. 40% teurer als der herkömmliche Ketchup von Heinz – nach der Organisation foodwatch ist es aber exakt der gleiche Ketchup.

Glacéau Smartwater von Coca-Cola

Das Wasser sei ein ganz normales Mineralwasser – nur siebenmal so teuer.

Das Bratöl Olive von Dennree

Das Bratöl nennt sich Olive, besteht aber zur Hälfte aus Sonnenblumenöl. Wie die Tochterfirma Bebivita von Hipp, reagierte Denree ebenfalls auf die Kritik: Dennree will ab dem kommenden Jahr sein Etikett ändern und auf der Vorderseite angeben, dass es eine Ölmischung ist.

Was hat der Windbeutel bisher bewirkt?

Nach der Verbraucherorganisation foodwatch hätten bisher alle Windbeutel-Gewinner irgendetwas geändert.

Letztes Jahr gewann Alete für den Kinderkeks den Goldenen Windbeutel. Begründung: Der Keks sei für eine Babynahrung zu sehr gezuckert. Geändert wurde das Etikett: babygerecht wurde gestrichen.

Oder: Der Frucht-Tiger von Eckes war nur unter den fünf nominierten Kandidaten für den Goldenen Windbeutel, weil umstrittene Zusatzstoffe enthalten waren, die den Zahnschmelz angreifen können. Reaktion: Der Spruch gesunder Durstlöscher wurde in der Werbung gestrichen.

Große Veränderungen

Richtig viel hat der Babynahrungshersteller Hipp geändert: Den Kindertee in Pulverform, mit dem den Kleinkindern umgerechnet zweieinhalb Stück Würfelzucker in die Tasse gerührt wurde, gibt es nicht mehr. Statt dessen ist der Hipp Kindertee jetzt fast zuckerfrei.

Oder der Monte Drink, ein Milchgetränk von Zott, hatte auch ein Zuckerproblem. Da hat die bayrische Molkerei das Rezept geändert. Jetzt ist weniger Zucker drin.

Zum Goldenen Windbeutel gibt es zwar keine konkrete Bilanz, aber zur Foodwatch-Kampagne abgespeist.de, die sich Werbelügen vorknöpft. Dabei kam heraus, dass jedes dritte Unternehmen, nachdem es an den öffentlichen Pranger gestellt wurde, wirklich etwas geändert hat. Ein Drittel hat eher Alibi-Änderungen vorgenommen ein weiteres Drittel hat tatsächlich was verändert. Der Rest allerdings hat nicht reagiert.