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Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic, SWR3; Foto: SWR
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Allein in der letzten Woche wurden in Deutschland tausende Grippefälle gemeldet. Die Krankheit ist nicht nur eine Erkältung – sie ist gefährlich und kann sogar tödlich verlaufen.

Es ist soweit: In Deutschland beginnt die Grippewelle. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin hervor. Die Krankheit ist mehr als eine harmlose Erkältung und kann besonders für chronisch Kranke, Schwangere, Menschen die in medizinischen Einrichtungen arbeiten und Senioren gefährlich werden. Sie kann auch tödlich verlaufen. Die Grippewelle in Deutschland hat nichts mit dem Ausbruch des Coronavirus in China zu tun.

Mehr als 4.000 Fälle in der vergangenen Woche

Experten finden seit dem Jahreswechsel in Proben von Patienten auch zunehmend echte Grippeviren. Silke Buda vom RKI sagt dazu:

Die Welle wird sich noch etliche Wochen hinziehen.

Seit Oktober 2019 sind bundesweit 13.350 durch Laboranalysen bestätigte Fälle gemeldet worden – davon 4.439 in der vergangenen Woche. Mehr als 3.500 Menschen wurden wegen der Grippe im Krankenhaus behandelt. Bisher starben nachweislich 32 Menschen.

Das RKI rechnet bei heftigen Wellen mit mehreren Zehntausend Toten. Meist sind davon Seniorinnen und Senioren betroffen – sie haben ein besonders hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Diese Wellen fallen in den einzelnen Jahren unterschiedlich stark aus.

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Woran erkennt ihr eine Grippe?

Grippe wird durch das Grippe- oder Influenzavirus ausgelöst. Die Krankheit kommt vor allem im Winter vor. Laut dem RKI werden die Atemwegsviren beim Husten, Niesen, Hände schütteln, umarmen oder küssen an andere weitergegeben.

Ein typisches Anzeichen ist demnach ein plötzlicher, rascher Krankheitsbeginn. Dieser wird von einem schweren Krankheitsgefühl mit Kopf- und Gliederschmerzen, hohem Fieber und trockenem Husten begleitet. Bei manchen Menschen verläuft die Erkrankung auch deutlich weniger stark.

Grippefälle im Südwesten

Seit Jahresbeginn hat das baden-württembergische Landesgesundheitsamt insgesamt 884 Influenza-Erkrankungen registriert. In Rheinland-Pfalz gab es nach Angaben des Landesuntersuchungsamtes seit Jahresbeginn 140 bestätigte Fälle (Stand: 16. Januar 2020).

Wer sollte sich impfen?

Wer sich noch nicht gegen Grippe geimpft hat, könne das noch tun – sollte sich aber beeilen. „Bis der Schutz aufgebaut ist, dauert es bis zu 14 Tage“, so RKI-Expertin Buda. Grundsätzlich rät das RKI aber dazu, sich bereits im Herbst impfen zu lassen. Die Impfung wird Menschen mit einem erhöhten Risiko empfohlen, zum Beispiel Senioren.

Impfstoff muss immer wieder an Erreger angepasst werden

Die Viren verändern sich ständig – deshalb muss der Impfstoff jährlich neu zusammengestellt werden. Das passiert bereits Monate vor Beginn der Grippe-Saison. Die Grundlage dafür ist die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der Schutz der Impfung sei aber wiederholt nicht optimal gewesen, kritisiert Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover. „In den vergangenen zehn Jahren lagen die WHO-Empfehlungen in mindestens drei Jahren komplett falsch.“

Während die Impfdosen hergestellt werden, wandeln sich die Erreger weiter. Deshalb kann es passieren, dass der Impfstoff nicht mehr passt. Außerdem ist das Immunsystem bei älteren Menschen nicht mehr so stark. Deshalb kann die Impfung manchmal nur einen geringeren Schutz bieten. Laut RKI werden noch immer zahlreiche Grippefälle durch die Impfung verhindert. Sie gelte als die wichtigste Schutzmaßnahme.