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Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Ende Oktober hatte die Polizei in Großbritannien 39 Leichen in einem Lkw entdeckt. Seither gab es fünf Festnahmen – drei Verdächtige sind auf Kaution inzwischen wieder frei. Jetzt gab es weitere Festnahmen.

Die vietnamesische Polizei hat im Zusammenhang mit dem Tod von 39 Menschen in einem Kühlcontainer bei London acht weitere Verdächtige verhaftet. Die vietnamesischen Beamten waren eingeschaltet worden, weil Ermittlungen der britische Polizei darauf hingewiesen hatten, dass die Toten ursprünglich aus Vietnam stammen könnten. Die britische Polizei hat das inzwischen bestätigt. Die neuen Festgenommenen werden – wie auch vorherige – beschuldigt, Menschenschmuggel ins Ausland organisiert zu haben. Das teilte die Polizei am Montag mit.

39 Leichen in Lkw entdeckt: Verdächtige wieder freigelassen; Foto: picture alliance/Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Der Fundort der 39 Leichen am Waterglade Industriepark im Südosten von Großbritannien. Die Herkunft der Opfer ist weiter unklar, der Fahrer ist unter anderem wegen Totschlags und Beteiligung an Menschenhandel angeklagt.

picture alliance/Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Bestürzende Berichte von Angehörigen vermisster Vietnamesen

Zuletzt waren über britische Medien erschütternde Einzelheiten von möglichen Betroffenen bekanntgeworden. Eine junge Frau soll sich demnach schon sterbend aus dem Lastwagen an ihre Eltern in Vietnam gewandt haben. „Ich kann nicht atmen, ich werde sterben“, heißt es in einer SMS, von der die BBC berichtete. „Meine Reise in ein fremdes Land ist schiefgelaufen.“

Protestanten gegen Rassismus in London nach Leichenfund in Kühlcontainer; Foto: picture alliance / empics

Menschen protestieren nach dem Leichenfund im Kühlcontainer gegen Rassismus.

picture alliance / empics

Die Identifizierung der Leichen wird laut Polizei möglicherweise dadurch erschwert, dass Verwandte der Opfer selbst illegal in Großbritannien leben und Angst haben, sich bei der Polizei zu melden. Der zuständige Ermittler sicherte deshalb zu, seine Behörde werde niemanden verfolgen, der sich in dem Fall an die Polizei wende.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Auch weitere Details in dem Fall müssen noch geklärt werden. Bekannt war bereits, dass der Container von Belgien aus per Schiff zum Hafen Purfleet in England transportiert wurde. Die Zugmaschine hingegen kam aus Irland und fuhr den Container dann in das Industriegebiet von Grays. Dort wurden sie am Ende Oktober entdeckt.

Politiker drücken Mitgefühl aus

Politiker in Großbritannien und anderen Ländern reagierten bestürzt: Premierminister Boris Johnson schrieb auf Twitter, seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. Er versprach, eng mit der Polizei von Essex zusammenzuarbeiten, um herauszufinden, was passiert ist.

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Die britische Innenministerin Priti Patel twitterte, sie sei „geschockt und traurig angesichts des tragischen Vorfalls“.

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Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich tief erschüttert. Ihr tiefes Mitgefühl gelte den Angehörigen, versicherte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Menschenschmuggel seit Jahren ein Thema

Tausende Menschen werden jedes Jahr illegal nach Großbritannien gebracht – vor allem in Lastwagen, Schiffen oder kleinen Booten. Vor 19 Jahren entdeckte die Polizei 58 tote Chinesen in einem Lastwagen-Anhänger im englischen Hafen von Dover am Ärmelkanal. Die Menschen waren in dem verschlossenen Anhänger erstickt. Der vietnamesische Ministerpräsident Nguyen Xuan Phuc will untersuchen lassen, wie viele Landsleute in jüngster Zeit möglicherweise Opfer von solchem Menschenschmuggel nach Europa wurden. Die Ermittlungen sollten insbesondere in zwei Provinzen Zentralvietnams durchgeführt werden, kündigte er laut einem Bericht des englischsprachigen Nachrichtenportals VNExpress an.