Wer eine Geldstrafe nicht zahlen kam, kommt ins Gefängnis. Diese Ersatzfreiheitsstrafen verursachen in Deutschland aber Kosten von mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr.

Monatelange Haft wegen Schwarzfahrens? Ja, denn wer nicht zahlt, muss ins Gefängnis. Das Problem: So eine Haftstrafe müssen immer mehr Menschen antreten. In den vergangen Jahren ist die Zahl der durch sogenannte Ersatzfreiheitsstrafen belegten Haftplätze in Deutschland deswegen um fast 25 Prozent gestiegen. Pro Jahr werden dadurch Kosten von mehr als 200 Millionen Euro verursacht. Das berichtet das ARD-Magazin Monitor unter Berufung auf offizielle Statistiken und eine Umfrage unter den Bundesländern.

Strafe trifft Nicht- oder Geringverdiener

Bei den Straftaten handelt es sich aber nicht nur um Delikte wie Schwarzfahren, auch kleinere Diebstähle oder Fahren ohne Führerschein zählt dazu. Experten kritisieren den Anstieg und die hohen Kosten bei den Ersatzfreiheitsstrafen. „Es ist skandalös, so viel Geld zu verwenden, um Menschen aufgrund von Armut und einem Mangel an sozialen Kompetenzen wegen kleinerer Delikte wegzusperren“, so Heinz Cornel, Professor für Jugendrecht, Strafrecht und Kriminologie an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Statt Strafe bräuchten die Betroffenen Hilfsangebote, sagt auch Nicole Bögelein vom Institut für Kriminologie der Universität Köln: „Die Betroffenen haben oft multiple Probleme wie hohe Verschuldung, Suchtbelastung und sehr ungeregelte Lebenssituationen bis hin zur Obdachlosigkeit.“

Haft ist falsche Lösung

Grundsätzlich kann eine Haft abgewendet werden, etwa indem man sich um gemeinnützige Arbeit bemüht. Damit seien solche Personen aber regelmäßig überfordert. Durch die Haft werde die Situation der Betroffenen häufig sogar noch verschlechtert, zum Beispiel durch soziale Isolierung, den Verlust des Arbeitsplatzes oder der Wohnung.

von SWR3