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Der Ehemann der Neu-Ulmer Journalistin Mesale Tolu wurde entlassen. Ist das ein erster Hoffnungsschimmer für die in der Türkei inhaftierten Journalistinnen und Journalisten?

Der Journalist Suat Corlu ist am Dienstag von einem Istanbuler Gericht aus seiner Untersuchungshaft entlassen worden. Der Ehemann der – ebenfalls als Journalistin tätigen – Neu-Ulmerin Mesale Tolu hatte seinen ersten Verhandlungstag. Seine Freilassung bestätigte der Bruder von Mesale Tolu gegenüber dem SWR.

Corlus Frau weiter in Untersuchungshaft

Corlu war in der Türkei genau wie seine Frau wegen „Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung“ angeklagt. Er hatte wie sie in der Türkei als Journalist gearbeitet und war seit dem 5. April dieses Jahres in Untersuchungshaft.

Tolu, Corlu und Sohn; Foto: SWR

Mesale Tolu, Ehemann Suat Corlu und ihr gemeinsamer Sohn

SWR

Wie Mesale Tolus Bruder Hüseyin weiter mitteilte, verließ Corlu das Gefängnis noch am Dienstagabend. Die Familie holte ihn dort ab. Für seine Frau könnte die Freilassung einen neuen Hoffnungsschimmer bedeuten. Ein Gericht war im Oktober dem Antrag ihrer Anwälte auf Freilassung nicht gefolgt. Tolu sitzt weiterhin in Untersuchungshaft.

„Ich denke, er hat jetzt erst mal Sehnsucht nach seinem Sohn“, sagte Hüseyin Tolu weiter. Der Dreijährige war zeitweise bei seiner Mutter im Gefängnis, lebt jedoch seit einigen Wochen bei der Familie des Bruders.

Yücel: Stellungnahme aus der Türkei beim EuGH

So auch Deniz Yücel: Der ebenfalls in der Türkei inhaftierte Korrespondent der Zeitung Welt sitzt seit dem 14. Februar in Haft. Die Behörden bezichtigen ihn des Datenmissbrauchs, der Terrorpropaganda sowie ebenfalls der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Am Dienstagabend soll die türkische Regierung jetzt ihre Stellungnahme zu seinem Fall beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EuGH) eingereicht haben. Das bestätigte ein Sprecher des Gerichts in Straßburg. Das Dokument soll jetzt den beteiligten Parteien weitergeleitet werden. Über den Inhalt ist noch nichts bekannt.

Reporter ohne Grenzen sind pessimistisch

Der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, ist pessimistisch, was eine Freilassung des inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel angeht: „Was wir im Fall Yücel wissen, ist, dass dieser Fall schon ein ganz besonderer Fall ist und deswegen muss man leider pessimistisch sein“, sagte mir SWR Aktuell.