Autor
Hans Liedtke
Hans Liedtke, SWR3; Foto: SWR3
Stand:

Monster, bunte Menschen und ein chaotischer Hinterhof in New York – die Sesamstraße kannte von Anfang an keine Tabus und verstörte damit viele Eltern. Doch das Konzept geht inzwischen seit 50 Jahren auf.

Freundliche Menschen, ein verpeilter Riesenvogel namens Bibo und Oscar, das schlecht gelaunte Monster in der Mülltonne – das ist die Sesamstraße. Am 10. November 1969 ging sie zum ersten Mal auf Sendung. Jetzt, 50 Jahre später, ist sie immernoch ein Publikumsmagnet.

Du hast DNT aktiviert. Wir stellen die Verbindung zu Twitter erst her, wenn du dies erlaubst. Die Einwilligung ist freiwillig und gilt nur temporär. Mehr dazu findest du in unseren Datenschutzhinweisen.
Den Beitrag bei Twitter ansehen.

Produzent: Wollten Kindern etwas beibringen

Ernie und Bert, das Krümelmonster oder Grobi – sie schafften es aus dem Fernsehen bis in die Kinderzimmern, und in die Erinnerung der vielen Erwachsenen, die mit ihnen aufgewachsen sind. Der Ursprungsgedanke der Sesamstraße war, den Kids auch etwas beizubringen, sagt Produzent Benjamin Lehmann:

1969 haben sich die Erfinder überlegt, wie man Kindern mit dem Medium Fernsehen etwas beibringen kann. Und dann sind sie auf die Idee gekommen, so etwas wie Werbefilme für Zahlen und Buchstaben zu machen.

Produzent der Sesamstraße, Benjamin Lehmann

Kritik vor allem aus Bayern

In den bisher rund 4.500 ausgestrahlten Folgen geht es immer wieder auch um ernste Themen: Sucht, Krankheit, Tod. Seit 1973 läuft die Sendung auch im deutschen Fernsehen. Dort waren die Vorbehalte anfangs groß: Zu anarchisch und zu amerikanisch war manchen die Sendung.

Krümelmonster; Foto: (c) dpa

Krümelmonster aus der Sesamstraße: „Kekseeeee!“

(c) dpa

Vor allem der Bayerische Rundfunk wehrte sich erst vehement gegen den Ankauf der Serie und eine Ausstrahlung im ersten Programm, weshalb die deutsche Sesamstraße Anfang 1973 nur in einigen Dritten Programmen zu sehen war. Viele bekannte Schauspieler waren in der Sesamstraße dabei, von Liselotte Pulver und Henning Venske über Manfred Krug und Dirk Bach bis zu Annette Frier und Adele Neuhauser.

Der Bayerische Lehrerverband sprach von einem „Werbe-, Drill- und Überredungsprogramm“. Trotzdem unterstützte die Bundesregierung den Import der Sesamstraße mit drei Millionen Mark: Die Reihe sollte helfen, die damals konstatierte „Bildungskatastrophe“ abzuwenden. „Wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt, bleibt dumm“, lautete der deutsche Titelsong.

Exportschlager in über 140 Ländern

Deutsche Kinder waren die ersten außerhalb der USA, die Freundschaft mit den Puppen schließen durften. Das war der Beginn eines unvergleichlichen Exporterfolgs, heute läuft die Sendung in mehr als 140 Ländern.