Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat sich offenbar gezielt an Donald Trumps Sohn gewandt, um Hillary Clinton möglichst effektiv zu schaden. Der versucht, die Sache herunterzuspielen.

„Die geheime Korrespondenz zwischen Donald Trump jr. und Wikileaks“ lautet die Headline im US-Magazin The Atlantic.

Hinter der öden Überschrift verbirgt sich politischer Sprengstoff: Die Enthüllungsplattform soll sich während des US-Wahlkampfs im vergangenen Jahr an den älteste Sohn des US-Präsidenten gewandt haben.

„Wir haben eine ungewöhnliche Idee“

Inhaltlich, so The Atlantic, sei es dabei unter anderem um geleakte E-Mails des Kampagnenteams der Demokratin Hillary Clinton gegangen. Außerdem habe Wikileaks Trump junior gebeten, enthüllte Informationen über Clinton zu verbreiten.

Die Neuigkeiten sind pikant, weil Wikileaks während des Präsidentschaftswahlkampfs eine bedeutende Rolle inne hatte: Die Plattform veröffentlichte gehackte E-Mails aus dem demokratischen Lager um Hillary Clinton. Das schadete Clinton massiv, kostete sie womöglich sogar die Präsidentschaft und bescherte dem Rest der Welt Donald Trump als Präsidenten. US-Geheimdienste beschuldigen die russische Regierung, hinter den Hacking-Angriffen zu stehen.

Dem Magazin zufolge zeigte sich Donald junior recht entgegenkommend: So bat Wikileaks unter anderem, einen Bericht über Clinton öffentlich zu kommentieren. Trump junior twitterte: „Es ist erstaunlich, womit sie durchkommt.“ Auch einen entsprechenden Link verbreitete er auf Bitten der Plattform.

Besonders kurios: Im Oktober bat Wikileaks Donald junior, die Steuererklärung seines Vaters herüberzureichen: „Hey Don. Wir haben eine ungewöhnliche Idee. Spiel uns eine oder mehrere Steuererklärungen deines Vaters zu.“ Der Grund: Wikileaks würde sie dann enthüllen, um den Unparteiischen zu spielen. Weitere Enthüllungen über Clinton hätten dann automatisch mehr Gewicht.

Niemand sollte merken, was offenbar der Fall war: Dass Wikileaks dabei mithelfen wollte, Trump mit seinen Enthüllungen ins Weiße Haus zu hieven.

Außerdem forderte Wikileaks in der Konversation mit Trumps Sohn, dessen Vater dürfe sich im Falle einer Niederlage nicht geschlagen geben, sondern müsse die Wahl anfechten.

Warum wollte Wikileaks Trump als Präsidenten?

Klar ist: Die Plattform um den abgetauchten Julian Assange wollte offenbar dabei mithelfen, Trump zum Präsidenten zu machen. Ermittler in den USA vermuten, dass auch dahinter die russische Regierung selbst stecken könnte.

Die Angelegenheit ist für Trump junior heikel, weil er ohnehin im Fokus der Russland-Affäre steht. Im Juli hatte er einräumen müssen, er habe sich während des Wahlkampfs mit einer russischen Anwältin getroffen. Aus E-Mails geht hervor, dass er der Begegnung zugestimmt hatte, weil ihm kompromittierendes Material über Clinton versprochen worden war.

In einer E-Mail an ihn ist außerdem von einem Versuch der russischen Regierung die Rede, dem älteren Trump zu helfen. Dies gilt als Indiz dafür, dass Mitglieder aus Trumps Wahlkampflager bereit gewesen sein könnten, mit Russland zusammenzuarbeiten, um den Wahlkampf zu beeinflussen.

Am Montagabend (Ortszeit) veröffentlichte Trump junior Teile der Kommunikation zwischen ihm und dem Twitterkonto von Wikileaks. Darin bemüht sich der 39-Jährige, die Bedeutung der Mitteilungen herunterzuspielen. Unter den Tweets befänden sich ganze drei „kolossale“ Antworten von ihm selbst, schrieb er auf Twitter und behauptet: „Hier sind alle Nachrichten an @Wikileaks, die einer der Ausschüsse im Kongress selektiv rausgelassen hat. Wie ironisch!“

„Einer der Ausschüsse“ – damit meint Trump junior die Ausschüsse, die die Russland-Affäre untersuchen – das Damoklesschwert über der Präsidentschaft seines Vaters.