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Adolf Hitlers Kaffeetasse, Eva Brauns Cocktailkleid, Hermann Görings Zigarrenetui: In München kommen persönliche Gegenstände von Nationalsozialisten unter den Hammer. Wer kauft sowas?

Eine Auktion mit Objekten der Nazi-Führungsriege: Befördert das rechte Propaganda oder bringt es einen wissenschaftlichen Zugewinn? Ob es in Ordnung ist, das Tafelsilber der Familie Goebbels oder die Abendgarderobe von Eva Braun zu versteigern – darüber gibt es heftige Diskussionen.

842 Nazi-Objekte werden versteigert

Schwarzer Zylinder, kaum getragen, Startpreis 12.500 Euro, Vorbesitzer: Adolf Hitler. Wer das für einen guten Deal hält, kann bei einer Versteigerung am Münchner Auktionshaus Hermann Historica mitbieten. Unter dem Thema „Deutsche Zeitgeschichte – Orden und Militaria ab 1919“ werden dort insgesamt 842 Gegenstände verkauft, darunter auch das Hab und Gut von Nationalsozialisten.

Das Angebot reicht von Briefen über Kleidungsstücke bis hin zu Geschirr und kleinen Möbelstücken. Das teuerste Artefakt: eine sogenannte „Luxusausgabe“ vom Buch „Mein Kampf“, die Hermann Göring gehört haben soll.

Historischer Wert oder „dunkle Aura“?

Bernhard Pacher, Geschäftsführer des Auktionshauses, erzählte im Deutschlandfunk die Geschichte des Zylinders, der bei der Versteigerung angeboten wird. Demnach kaufte Adolf Hitler den sogenannten „Chapeau Claque“ im Jahr 1933, kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten.

SWR3-Audio: Beitrag anhören; Foto: SWR3.de

Deutschlandfunk - Informationen am Morgen Hitlers Zylinder für Ewiggestrige? – Umstrittene Auktion von Nazi-Devotionalien

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Mit dem Hut habe er sich an die Kleidung des alten Establishments anpassen wollen. Das Kleidungsstück stehe deshalb für Hitlers Versuche, das Vertrauen der Eliten der Weimarer Republik zu gewinnen, um dann die Macht zu ergreifen – was schließlich auch gelang.

Ob solche Auktionsgegenstände wie Eva Brauns Cocktailkleid wissenschaftlichen Wert haben und warum das NS-Dokumentationszentrum in München solche persönlichen Gegenständen von Nazi-Persönlichkeiten nicht ausstellt, das hat Paul-Moritz Rabe im SWR-Interview erklärt.

Der Zylinder von Adolf Hitler, der bei einer Auktion versteigert wird, liegt auf einer alten kaputten Hutschachtel; Foto: picture alliance/-/Hermann Historica/dpa

Nachrichten Haben solche Nazi-Devotionalien wissenschaftlichen Wert?

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Wer kauft Nazi-Erinnerungsstücke?

Wer also kauft dann alte Nazi-Orden oder Salzstreuer mit Hitler-Emblem? Bernhard Pacher erklärt im Deutschlandfunk, dass auch asiatische Museen an europäischer Geschichte interessiert seien. Diese hätten oft ein sehr großes Budget zur Verfügung und würden auch persönliche Gegenstände von Nationalsozialisten sammeln.


Ein schwarzes Seidenkleid und das Buch "Mein Kampf" mit Metalleinband, auf dem Titel ein NS-Adler mit Hakenkreuz; Foto: picture alliance/-/Hermann Historica/dpa | Montage: SWR

Im Angebot: Eva Brauns Cocktailkleid aus schwarzer Seide und Hermann Görings Ausgabe von „Mein Kampf“ mit Silberdeckel.

picture alliance/-/Hermann Historica/dpa | Montage: SWR

Kritiker sagen hingegen, die Gegenstände seien insbesondere für extrem Rechte interessant, die die Nazi-Zeit glorifizieren. Das Auktionshaus Hermann Historica will das verhindern: Käufer von Objekten aus der Zeit des Nationalsozialismus müssen laut Geschäftsbedingungen eine Erklärung unterschreiben, dass sie die Gegenstände nicht für Propaganda-Zwecke einsetzen. Eine Garantie, dass bei der Auktion keine Nazis mitbieten, ist diese Regelung aber nicht.

Kein Geld mit „blutgetränkten Gegenständen“ verdienen

Ganz egal, wer am Ende die Käufer sind – die European Jewish Association (Verband europäischer Juden) hält die Auktion für grundsätzlich falsch: Niemand dürfe mit diesen blutgetränkten Gegenständen Geld verdienen, erst recht nicht in Deutschland, schrieb die Organisation. Mit Nazi-Andenken zu handeln sei eine Beleidung aller ermordeten Juden und bringe die Lebenden in Gefahr.

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