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Die Hitze entwickelt sich zum Rekordrennen, die Messergebnisse werden mit jedem Tag spektakulärer. Mehr als 41 Grad – das hat es in Deutschland nie zuvor gegeben.

Jahrelang war der Hitzerekord des unterfränkischen Kitzingen unangetastet: 40,3 Grad im Sommer 2015. Doch 2019 lässt diesen Wert alt aussehen. Die Nachrichten über neue Rekordergebnisse purzeln ein wie im Live-Ticker: 40,5 Grad – der offizielle Rekord vom Mittwoch in Geilenkirchen in Nordrhein-Westfalen. Dann: 40,6 Grad in Bonn-Roleber. Und am Donnerstag Nachmittag schließlich: 41,5 Grad in Lingen in Niedersachsen.

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Der Deutsche Wetterdienst kommt mit dem Prüfen kaum hinterher

Die vorläufigen Werte, die von den Messstationen beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach ankommen, müssen immer erst noch bestätigt werden – und währenddessen können die Temperaturen weiter steigen. Ganz klar ist aber: Wir haben momentan die höchsten Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881.

Erst zum späteren Donnerstag Abend gehen die Werte den Voraussagen des DWD folgend nach unten, aber im Westen Deutschlands wirds trotzdem tropisch bei ungefähr 20 Grad.


Flächendeckende Hitzewarnung für ganz Deutschland

Der Deutsche Wetterdienst hat deshalb eine flächendeckende Hitzewarnung für ganz Deutschland herausgegeben. „Im Osten handelt es sich überwiegend um die Warnstufe 1, im Westen und Süden überwiegt die Warnstufe 2“, sagte ein Sprecher des DWD. Im Süden Deutschlands wird zudem vor hohen UV-Werten gewarnt. Die Hitzewarnungen gelten bis Donnerstagabend um 19 Uhr.

Fast flächendeckend gilt derzeit laut dem DWD sogar die vorletzte Warnstufe 4 für große Waldbrandgefahr. Für Donnerstag ruft der DWD sogar die höchste Warnstufe 5 für den ganzen Oberrheingraben und Gegenden im nördlichen und östlichen Baden-Württemberg aus – darunter Bad Mergentheim, Baden-Baden Geroldsau und Rottweil.

Auch in anderen europäischen Ländern leiden die Menschen unter der Hitze

Die teils jahrzehntealten Rekorde purzeln nicht nur in Deutschland: In Belgien wurde mit 40,6 Grad Celsius der erst am Mittwoch aufgestellte Rekord erneut gebrochen. In der französischen Hauptstadt Paris schwitzten die Menschen am Donnerstagmittag bei 41 Grad Celsius, die Temperaturen sollen laut dem Wetterdienst noch auf bis zu 42 Grad Celsius steigen, im Umland sogar auf 43 Grad. In Österreich starb ein knapp zweieinhalbjähriger Junge an den Folgen von Dehydrierung, nachdem er am Montag unbemerkt in ein Auto im Hof seiner Familie geklettert und eingeschlafen war.

Forscher: Hitzewellen sind Folgen des Klimawandels

Die hohen Temperaturen sind nicht nur akut gefährlich für Menschen und Tiere, Forscher gehen auch davon aus, dass sie die Folgen eines Klimawandels sind. Dies könne man heute schon mit einer hohen wissenschaftlichen Genauigkeit belegen. Davon betroffen sei auch Zentraleuropa und der Mittelmeerraum. Das geht aus dem neuesten, noch unveröffentlichten Bericht des Weltklimarates hervor, dessen finaler Entwurf dem SWR vorliegt.

Die weltweite Klimaerwärmung über den Landflächen beträgt heute demnach schon mehr als 1,4 Grad – verglichen mit dem Jahr 1880. Das heiße, dass die globale Durchschnittstemperatur über dem Land deutlich schneller angestiegen ist als über den Meeren. Nach aktuellen Klimadaten war der Juni dieses Jahres weltweit gesehen der wärmste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Durch solche Veränderungen im Klima werde die Nahrungsmittelproduktion in vielen Teilen der Erde immer schwieriger und sei gefährdet. So sei bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad die Lebensgrundlage von bis zu 500 Millionen Menschen weltweit bedroht, unter anderem durch Wassermangel und die Ausdehnung von Wüsten.