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Lena Seiferlin
Lena Seiferlin, SWR3; Foto: SWR3
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Bayern will eine Studie in Auftrag geben, die ermitteln soll, inwiefern homöopathische Mittel Antibiotika ersetzen können. Manche sind darüber überrascht, manche schockiert, andere empört. Die Kritik ist jedenfalls enorm.

Homöopathie wird in Deutschland gerne genutzt. Das Verfahren ist weit verbreitet, viele schwören darauf, viele andere verurteilen diesen Therapieansatz scharf, oft wird er zumindest angezweifelt. Jetzt will Bayern eine Studie in Auftrag geben, die klären soll, ob homöopathische Präparate den Einsatz von Antibiotika verringern können.

Wer kritisiert die Homöopathie-Studie?

Die Auftraggeber CSU und Freie Wähler bekommen eine Menge Gegenwind, zum Beispiel von Satiremedien sowie Expertinnen und Experten. Stephan Sieber von der Technischen Universität München ist einer von ihnen, er forscht seit Jahren zur Entwicklung neuer Antibiotika. „Ich bin überrascht, dass die Studie in Auftrag gegeben wird und weiß nicht, welchen Mehrwert das bringen soll“, sagt er.

In der Wissenschaft gibt es keine Belege dafür, dass Homöopathie wirkt.

Professor Stephan Sieber

Expertinnen und Experten sagen seit Jahren, dass zu viele Antibiotika verschrieben und eingesetzt würden. Dadurch entwickelten sich resistente Bakterien, bei denen die Medikamente nicht mehr wie gewünscht funktionieren. An daraus entstehenden Infektionen sterben laut Weltgesundheitsorganisation geschätzt etwa 25.000 Menschen alleine in der Europäischen Union. Oft stecken sie sich damit in einem Krankenhaus an.

Teil der Studie sogar gefährlich?

Die Studie wurde schon am 7. November beschlossen, jetzt muss die Regierung sie in Auftrag geben. Sie soll auch klären, ob es „eine mögliche positive Rolle von gegebenenfalls ergänzend verabreichten homöopathischen Präparaten“ gibt. In der Homöopathie werden unter anderem Mittel eingesetzt, die bei Gesunden in hohen Dosen Symptome der jeweiligen Krankheit auslösen würden. Die Substanzen werden sehr stark verdünnt und dann als Tropfen, Tabletten oder Kügelchen – die sogenannten Globuli – eingenommen.

Forscher Sieber ist sich sicher: „Auf einer wissenschaftlichen Grundlage müssen Sie mit einem Wirkstoff Bakterien töten, dazu benötigen Sie Konzentrationen, die mit der Homöopathie nie erreicht werden.“ Die Präparate könnten den Einsatz von Antibiotika weder reduzieren noch die Abwehrkräfte stärken, sagt er.

Einen Abschnitt der Studie stuft Sieber sogar als gefährlich ein. Dort heißt es, es sei laut einer nicht näher genannten Studie sinnvoll, bei einer schweren Sepsis (auch bekannt als Blutvergiftung) auch homöopathisch zu behandeln. „Bei einer schweren Sepsis muss die bakterielle Last gesenkt werden, das geht mit Antibiotika. Der Nutzen einer homöopathischen Zusatzbehandlung ist nicht erkennbar“, sagt Sieber.

Was sagt die CSU zu der ganzen Kritik?

Die CSU jedoch kann die Aufregung um das Thema nicht nachvollziehen. Der Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath erklärt, dass das Thema Homöopathie in der Studie nur am Rande vorkomme. Es gehöre zu einem größeren Projekt, mit dem multiresistente Keime bekämpft werden sollen. „Jeder keilt sich an dem Thema Homöopathie fest“, sagt er.

Die Kritik sei nicht gerechtfertigt, sagt Seidenath. „Wir wollen versuchen, alle Register zu ziehen, um die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten und Resistenzen zu vermeiden.“ Dafür dürfe nichts unversucht bleiben. Er geht von Kosten in Höhe von 300.000 bis 400.000 Euro für die Studie aus und hält sie für „sinnvoll investiert“.

Und wie geht's weiter?

Skepsis gibt es auch im bayerischen Gesundheitsministerium, das die Studie jetzt in Auftrag geben soll. Aus der Behörde heißt es, nichts spreche dagegen, „sofern diese [...] nach wissenschaftlichen Kriterien konzipiert und durchgeführt wird“. Doch ein Sprecher sagte auch, dass die Wirkung von Homöopathie nicht nachgewiesen sei.

In Deutschland gehören homöopathische Präparate nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Viele erstatten aber die Behandlungskosten für Naturheilverfahren. Ständig gibt es darüber Debatten, auch in anderen Teilen der EU. In Frankreich sollen homöopathische Mittel ab 2021 nicht mehr erstattet werden, weil ihre Wirkung bislang nicht erwiesen werden konnte.

Wann die Studie in Auftrag gegeben werden soll, ist noch nicht klar.