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Christian Kreutzer
Christian Kreutzer, SWR3; Foto: SWR3
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Hamsterkäufe in Hongkong – oder besser: Hamsterdiebstähle. Aber Klopapier? Gerüchte im Internet sollen dahinter stecken.

Die Sorge um die Ausbreitung des Coronavirus treibt seltsame Blüten: In Hongkong haben drei Männer am frühen Montagmorgen mit vorgehaltenen Messern einen Lkw-Fahrer der Supermarkt-Kette „Welcome“ überfallen. Ihre Beute: mehrere Paletten Klopapier. Das hatte einen Wert von umgerechnet etwa 200 Euro.

Wohnungen, vollgestopft mit Klopapier

Auch die Hongkonger bewegt derzeit die Angst vor dem Virus. Hamsterkäufe sind die Folge. Und eine beliebte Beute der Hamsterer ist Klopapier. Das scheint teils Mangelware zu sein. Oder auch nicht – man weiß es nicht so genau. Internet-Gerüchte behaupten es jedenfalls und heizen die Hamsterkäufe weiter an.

Supermarktregal in Hongkong; Foto: Reuters

Wie man sieht, sieht man nichts: In diesen Hongkonger Supermarkt-Regalen liegt angeblich normalerweise Klopapier.

Reuters

Supermarktregale sind dieser Tage oft schon kurz nach Ladenöffnung wie leergefegt. Neben Toilettenpapier gibt es auch einen Ansturm auf Grundnahrungsmittel wie Reis und Nudeln sowie auf Desinfektionsmittel und weitere Reinigungsprodukte.

Die Folge: Auf Fotos im Internet und in sozialen Netzwerken ist zu sehen, wie Menschen stolz ihre kleinen, mit Klopapier-Packungen vollgestopften Wohnungen zeigen. Am Sonntag warnte schon der Vorsitzende des Verbraucherverbandes davor, zu Hause Toilettenpapier zu horten. Es würde in dem feuchten Klima zu Schimmelbildung neigen.

Alles wieder da

Jetzt also der Überfall. Aber was ist den Dieben durch den Kopf gegangen? Die Angst vor einem Leben ohne Klopapier? Die Hoffnung, dass dessen Preis angesichts der Knappheit bald astronomische Höhen erklimmt?

Hongkong: Kampf ums Klopapier; Foto: Reuters

Hongkong: Kampf ums Klopapier

Reuters

Sie werden es bald erzählen können, denn zwei von ihnen hat die Polizei nach einer kurzen Fahndung geschnappt. Auch das wertvolle Klopapier ist sichergestellt.

"Würde Atemschutzmasken klauen, aber doch kein Klopapier"

Die Hongkonger reagieren mit einer Mischung aus Verblüffung und Belustigung auf den Vorfall. „Ich würde Atemschutzmasken klauen, aber doch kein Klopapier“, sagt eine amüsierte Passantin dem Hongkonger Fernsehsender iCable News.

Der Ausbruch der Coronavirus-Epidemie in China hat auch in Hongkong dunkle Erinnerungen an die Sars-Epidemie Anfang der 2000er Jahre geweckt. 2002 und 2003 starben rund 300 Menschen in der chinesischen Sonderverwaltungszone an dem Erreger. Die Hongkonger kritisieren, die chinesische Regierung hätte damals nicht rechtzeitig Alarm geschlagen. Daher herrscht bis heute Misstrauen gegenüber Peking.

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