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Auf den Tag genau fünf Monate nachdem der jahrelange Missbrauch eines Neunjährigen in Staufen bekannt geworden ist, läuft seit heute der Prozess gegen die Mutter des Jungen und ihren Lebensgefährten.

In Staufen hat der Junge während seiner Missbrauchszeit gewohnt; Foto: dpa/picture-alliance

In Staufen hat der Junge während seiner Missbrauchszeit gewohnt

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Sie sollen ihren kleinen Sohn im Internet für Vergewaltigungen angeboten und den Jungen auch selbst sexuell missbraucht haben. Dafür stehen eine 48 Jahre alte Frau und ihr 39 Jahre alter Lebensgefährte ab heute in Freiburg vor Gericht. Männer durften den Jungen zwei Jahre lang gegen Geld vergewaltigen.

Und gleich zu Beginn legt der Stiefvater des Opfers ein weitgehendes Geständnis ab. Die Anklage sei „bis auf ein paar Kleinigkeiten“ richtig, sagt er. Der Mann ist schon als Pädophiler einschlägig vorbestraft. Er gilt als Haupttäter.

Lebensgefährte hat gestanden

Jürgen W. aus der Schweiz hat den Jungen auch vergewaltigt; Foto: dpa/picture-alliance

Jürgen W. aus der Schweiz hat den Jungen auch vergewaltigt

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Zwei der Vergewaltiger wurden schon verurteilt, gegen jeden gab es einen eigenen Prozess. Die Ermittler haben wohl eher keine Probleme, die Taten zu beweisen. Neben dem Geständnis des Stiefvaters haben gebe es von den Taten viele Filmaufnahmen und Dokumente.

Wird die Mutter aussagen?

Rechtsanwältin Katja Ravat vertritt im Prozess den missbrauchten Jungen. Sie sagte, sie erhoffe sich Antworten von der Mutter. „Auch wenn es vielleicht unrealistisch ist, erhoffen wir uns vielleicht mal eine Erklärung zur Motivation“. Der Fall sei deswegen außergewöhnlich, weil der Junge so oft und auch so schwer missbraucht wurde.

Ein Angeklagter vor Gericht; Foto: dpa/picture-alliance

Ein Angeklagter vor Gericht

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Deswegen hoffen der Junge und seine Anwältin, dass vor allem der Lebensgefährte der Mutter lange ins Gefängnis und danach in Sicherheitsverwahrung kommt. Denn: Der Mann ist wegen schwerer Kindesmisshandlung vorbestraft. Die Anwältin hat einen großen Wunsch: „Dass ich dem Kind rückmelden kann, dass der Mann auf absehbare Zeit nicht mehr aus der Haft entlassen werden wird“, sagte sie.

Zweiter Prozess in Karlsruhe

Parallel zum Strafverfahren in Freiburg beginnt in Karlsruhe heute auch der Prozess gegen einen Mann aus Schleswig-Holstein. Der heute 44-Jährige hat laut Anklage den Jungen missbrauchen, töten und sich an der Leiche vergehen wollen. Als er in Karlsruhe ankam, wurde er festgenommen.

Neuer Leitfaden für Jugendämter

Der Fall Staufen soll sich nicht wiederholen. Deshalb hat der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha angekündigt, einen einheitlichen Leitfaden für die Arbeit von Jugendämtern herauszubringen. Im Interview mit SWR Aktuell sagt er, dass dann alle 46 Jugendämter im Land nach den gleichen Kriterien arbeiten könnten.

Autor
Björn Widmann
Autor
SWR3