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Deutschland ist ein Land der Singles. Und Millionen von ihnen stehen finanziell unter Druck. Nur ein Job reicht vielen nicht für ein auskömmliches Leben.

Immer mehr Menschen in Deutschland leben allein – und deutlich mehr Alleinstehende als früher sind von Armut bedroht. Denn Alleinstehende und Alleinerziehende sind auch besonders häufig überschuldet. Gleichzeitig rückt Einsamkeit als gesellschaftliches Problem zunehmend in den Fokus: Denn einsame Menschen haben laut Studien ein höheres Risiko, krank zu werden und früher zu sterben.

Jeder dritte Alleinstehende in Deutschland von Armut bedroht

Nach den jüngsten Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat waren 2016 32,9 Prozent der Alleinstehenden armutsgefährdet. Zehn Jahre zuvor waren lediglich 21,5 Prozent aller Alleinstehenden. Die Armutsgrenze lag in Deutschland im Jahr 2016 bei 1063,75 Euro pro Monat, das entspricht 60 Prozent des mittleren Einkommens. Wer weniger verdient, gilt als arm.

Zahl der Alleinstehenden steigt weiter

Dabei nahm die Zahl der Alleinstehenden insgesamt deutlich zu: auf 16,43 Millionen alleinstehende Erwachsene ohne Kinder 2016. Das heißt, mehr als zwei von fünf Haushalten sind mittlerweile Alleinstehenden-Haushalte. Erst 2015 überschritt ihre Zahl die 16-Millionen-Schwelle, 1991 waren es erst rund 11 Millionen.

Ministerium für Einsamkeit

In Großbritannien wurde kürzlich sogar ein Regierungsposten gegen Einsamkeit eingerichtet. Denn dass die Rolle der Großfamilie schwindet und immer mehr als Single leben, ist bekannt. Immer mehr dringt nun auch ins Bewusstsein, dass Einsamkeit krank machen kann.

Der Untersuchungsbericht einer Einsamkeits-Kommission, die dem Regierungsposten in Großbritannien vorausging, kam zu dem klaren Schluss: Einsamkeit ist genauso gesundheitsschädigend wie täglich 15 Zigaretten.

Dann ist diese EINE Ministerin zumindest schnell im Thema drin. Die Kollegen um Rat fragen kann sie ja sowieso nicht!

Posted by SWR3 on Thursday, January 18, 2018

Mehr Männer mit finanziellen Problemen

Bei den Alleinlebenden ohne Kinder geraten überwiegend Männer in finanzielle Schwierigkeiten. Das zeigt auch der Überschuldungsreport 2017 des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen. Demnach sind von den Überschuldeten 36,2 Prozent alleinlebende Männer, 24 Prozent alleinlebende Frauen, 23,9 Prozent Paare und 15,2 Prozent Alleinerziehende. Die Alleinerziehenden kommen dabei über zweieinhalb Mal so häufig unter Überschuldeten wie in der Gesamtbevölkerung vor.

Dass Alleinerziehende besonders gefährdet sind, führt Studienautor Dirk Ulbricht auf schlechtere Bedingungen für sie etwa auf dem Jobmarkt zurück. Bei Alleinlebenden sei insgesamt ausschlaggebend, dass sie finanzielle Schwankungen nicht so gut ausgleichen könnten wie Paare. Besonders riskant ist die Lage bei alleinstehenden Selbstständigen ohne festes Monatsgehalt, wie Ulbricht der dpa sagte.

EU-Durchschnitt unter deutschem Wert

EU-weit sind übrigens nur 32,5 Prozent der privaten Haushalte Alleinstehenden-Haushalte. Auch der Anteil der Armutsgefährdung liegt bei ihnen EU-weit unter dem deutschen Wert, nämlich bei 25,6 Prozent.

Autor
SWR3