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Eine neue Studie belegt das Schmetterlingssterben speziell in Baden-Württemberg. Wissenschaftler des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe haben dafür Daten bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt.

Veröffentlicht wurden die Daten im Magazin Scientific Reports. Die Forscher haben Aufzeichnungen über Schmetterlinge im Land seit 1750 ausgewertet. Sie stellen fest, dass die Zahl der Arten zwar weitgehend gleichgeblieben ist – nur sechs von 163 sind wirklich ausgestorben – dass aber die Häufigkeit drastisch abgenommen hat.

Der Schwund ist vor allem nach 1950 aufgetreten. In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat sich der Prozess noch einmal verschärft.

250.000 Aufzeichnungen

Der Blick zurück war gar nicht einfach. Alte Berichte zählen oft nicht, sie nennen eine Art einfach „gemein“ – also überall vorkommend. Oder sie beschreiben und benennen mit alten regionalen Namen. In Karlsruhe wurde aber schon vor 50 Jahren gute Vorarbeit für die jetzige Studie geleistet. Eine Viertelmillion Aufzeichnungen sind so zusammengekommen und konnten ausgewertet werden.

Über die Zeit sind viele Spezialisten unter den Schmetterlingen immer seltener geworden. Einige sehr anpassungsfähige und wanderfreudige Arten haben sich aber auch vermehrt.

Seit 1955 immer weniger Schmetterlinge

Besonders seit 1955 zeigt sich aber auch, dass die Bestände zunehmend geringer werden. Die Ursachen: eine starke Stickstoffbelastung. Die kommt aber nicht nur aus der Landwirtschaft, sagt der Wissenschaftler Robert Trusch.

Wir haben Stickstoffeinträge in der Landschaft über die Luft, also über NOx, über den Verkehr, in der Größenordnung, wie in den 30er-Jahren ein Bauer sein Feld düngte.

Robert Trusch

Lebensräume für Schmetterlinge fehlen

Arten mit höheren Ansprüchen an ein spezielles Umfeld sind besonders betroffen. Den Forschern zufolge fehlen Lebensräume wie Magerrasen, Feuchtwiesen und Moore. Die intensive Landwirtschaft, die Versiegelung von Flächen, Düngung und Pflanzenschutzmittel verschlechtern die Lebensbedingungen der Tiere. Auch in den Wäldern, wie in dunklen Fichten-Monokulturen, finden Schmetterlinge keinen geeigneten Lebensraum.