Autor
Hans Liedtke
Hans Liedtke, SWR3; Foto: SWR3
Stand:

Bei neuen Anti-Regierungsprotesten in Hongkong ist es zu Straßenschlachten gekommen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Die Demonstranten warfen Steine.

Im Stadtteil Kwun Tong lieferten sich einige Dutzend Demonstrierende Straßenschlachten mit Einsatzkräften. Zuvor hatte die Polizei einen Demonstrationszug mit mehreren tausend Teilnehmern blockiert.

Radikale errichteten daraufhin Straßensperren aus Metallzäunen und Bambusstangen. Sie bewarfen die Einsatzkräfte mit Pflastersteinen und Brandsätzen. Die Polizisten setzten Tränengas und Schlagstöcke ein. Sie nahmen erneut einige Demonstrierende fest. Zuvor hatte es eine friedliche Proteste gegeben.

Aktivisten fürchten Kameraüberwachung

Die Regierung wollte die öffentliche Kamera-Überwachung massiv ausbauen, sagen Aktivisten. Sie warnen, dass diese Kameras wie in Festlandchina auch zur systematischen Gesichtserkennung verwendet werden könnten. Hongkongs Regierung weist diese Vorwürfe zurück.

Menschenkette quer durch die Stadt

Zuvor gingen Sicherheitskräfte mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Teilnehmer vor, mehrere Demonstrierende wurden festgenommen.

Am Samstag hatten die Protestierenden eine rund 40 Kilometer lange Kette quer durch Hongkong gebildet: Vom mit Hochhäusern gesäumten Zentrum Hongkongs über Einkaufsstraßen und Wohngebiete bis auf den knapp 500 Meter hohen Berg Lion Rock zog sich die Menschenkette.

„Statt mit der Polizei aneinanderzugeraten, halten wir uns einfach an den Händen,“ sagte ein Teilnehmer. „Das ist unser etwas anderes Zeichen des Protests gegenüber der Regierung und dem Rest der Welt.“

Nach Angaben der Organisatoren machten 135.000 Hongkonger mit. Vorbild für die Aktion war eine als „Baltischer Weg“ bekannt gewordene Menschenkette, mit der die Bürger Litauens, Lettlands und Estlands vor 30 Jahren gegen die kommunistische Führung der Sowjetunion protestierten.

Demonstrierende versus Polizei; Foto: Reuters
Reuters

Massendemos schon seit zweieinhalb Monaten

Die Massendemonstrationen in Hongkong dauern nun seit rund zweieinhalb Monaten. Die Proteste haben inzwischen weite Teile der Bevölkerung erfasst. Die Demonstranten sind frustriert über den stetig wachsenden Einfluss von Chinas Staats- und Parteiführung auf die autonom regierte Stadt.

Die Demonstrierenden fordern demokratische Reformen in Hongkong, die verbindliche und formelle Rücknahme des umstrittenen China-Auslieferungsgesetzes und eine Kommission, die das viel kritisierte Vorgehen der Hongkonger Polizei der vergangenen Wochen aufklärt.

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam lehnt Zugeständnisse weiter ab. Chinas Staats- und Parteiführung in Peking bezeichnet die Hongkonger Proteste pauschal als Unruhen. Die Demonstranten stellt sie als Gewalttäter, Randalierer und Terroristen dar, die die Einheit des chinesischen Staates zerstören wollten. Peking startete inzwischen eine weltweite Medien- und Propaganda-Kampagne gegen die Hongkonger Massenproteste.