Autor
Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt, SWR3; Foto: SWR3
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In Mannheim startet die sogenannte intelligente Videoüberwachung. Das System unterscheidet zwischen Rennen, Schlagen und Fallen und soll so Straßenkriminalität erkennen und die Stadt sicherer machen.

Seit Montag läuft eine fünfjährigen Pilotphase. In dieser Zeit werden die „intelligenten Kameras“ den Hauptbahnhof und später auch den Paradeplatz sowie den alten Messplatz in Mannheim überwachen. Die Plätze werden von der Polizei als Kriminalitätsbrennpunkte der Stadt eingestuft.

Ein Polizist sitzt im Polizeipräsidium an einem Arbeitsplatz der sogenannten intelligenten Videoüberwachung; Foto: dpa/picture-alliance

So sieht es aus, wenn ein Polizist die Aufnahmen der Kameras überwacht.

dpa/picture-alliance

Insgesamt sollen mehr als 70 Kameras installiert werden. Sie können alle Bewegungen von Menschen analysieren und bestimmte Verhaltensmuster wie Schlagen, Treten oder Hinfallen erkennen. Die Bewegungen wurden laut Polizei ausgewählt, weil sie typische Bewegungen im Zusammenhang mit Straftaten sind.

Ganz ohne menschliche Kontrolle funktioniert das System aber nicht. Erkennt eine Kamera eine verdächtige Bewegung wird ein Polizist in zentralen Lagezentrum alarmiert. Er bewertet dann den Vorgang und löst gegebenenfalls einen Einsatz aus.

Plätze werden überwacht – Kritiker haben Bedenken

Das System kommt in Mannheim zum ersten Mal zum Einsatz. Die Technik arbeitet laut Polizei nicht auf der Grundlage von Gesichtserkennung. Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) betonte, das Konzept sei in enger Zusammenarbeit mit dem Landesdatenschutzbeauftragten entwickelt worden. Die Kameras seien über ein geschlossenes System mit dem Polizeipräsidium verbunden und könnten nicht gehackt werden. Die Aufzeichnungen hätten außerdem keinen Ton und würden maximal 72 Stunden gespeichert.

Kritiker haben trotzdem Bedenken. Sie befürchten, dass zum Beispiel Bewegungsprofile von Bürgern erstellt werden können.

Stadt und Land investieren in Projekt

Die Stadt Mannheim investiert 900.000 Euro in das System. Das Land Baden-Württemberg beteiligt sich mit weiteren 700.000 Euro. In Mannheim wurden bereits von 2001 bis 2007 Überwachungskameras an verschiedenen Stellen eingesetzt. Dadurch konnte die Kriminalitätsrate den Angaben nach deutlich reduziert werden.

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