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Der Anteil der in Armut lebenden Menschen ist 2018 leicht gesunken. Baden-Württemberg liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt – doch die Entwicklungen im Süden von Rheinland-Pfalz sehen anders aus.

Der Paritätische Gesamtverband hat den Armutsbericht 2019 vorgestellt. Demnach lag die Armutsquote in Deutschland 2018 bei 15,5 Prozent – das ist etwas weniger als im Vorjahr.

Geteiltes Deutschland – aber nicht mehr nur in Ost und West

Aber dem Bericht zufolge ist die Armut in Deutschland ungleich verteilt. Während es einigen Regionen sehr gut geht, haben andere eine vergleichsweise hohe Armutsquote. Die Trennung verläuft dabei nicht mehr nur zwischen Ost und West.

Besonders wohlhabend sind Bayern und Baden-Württemberg. Die beiden südlichen Bundesländer kommen im Schnitt auf eine Armutsquote von nur 11,8 Prozent. In den ostdeutschen Bundesländern liegt die Quote mit 17,5 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Am meisten Armut gibt es aber in Nordrhein-Westfalen: 18,1 Prozent der insgesamt 18 Millionen Bewohner sind betroffen. Vor allem im Ruhrgebiet sei die Armut in den letzten Jahren gewachsen, heißt es in dem Bericht: auf zuletzt 21,1 Prozent.

Armut in Baden-Württemberg: Negative Entwicklung im Nordschwarzwald

Mit einer Armutsquote von 11,9 Prozent liegt Baden-Württemberg deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

Auffällig ist aber die Entwicklung im Nordschwarzwald. Die Region rund um Calw und Freudenstadt hat mit 14,1 Prozent die höchste Armutsquote im Bundesland. Sie ist seit 2008 stetig gestiegen.

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Rasanter Anstieg von Armut in der Pfalz

In Rheinland-Pfalz lag die Armutsquote 2018 bei 15,4 Prozent, also ziemlich genau im Bundesdurchschnitt. Allerdings gibt es im Land große Unterschiede: Während es in den Bewohnern der Region Trier eher gut geht, fallen die Rheinpfälzer und Westpfälzer durch besonders hohe Armutsquoten auf. Der Paritätische Gesamtverband weist vor allem auf den „rasanten Anstieg“ der Armut dort in den letzten zehn Jahren hin.

Jonas Pieper, Co-Autor des Armutsberichtes, erklärte im SWR die Gründe für die Armut in der Pfalz und was man dagegen tun könnte:

Wegweiser in der Westpfalz nach Landau und Pirmasens; Foto: picture alliance/dpa

Nachrichten Armut in der Pfalz - das sind die Gründe.

Dauer

Alleinerziehende und Migranten haben weniger Teilhabechancen

Einige Bevölkerungsgruppen sind besonders häufig arm: Alleinerziehende, Familien mit sehr vielen Kindern, Menschen mit geringen Bildungsabschlüssen und außerdem auch Menschen mit Migrationshintergrund.

Die am stärksten betroffene Gruppe sind aber Erwerbslose: hier leben etwa 57 Prozent von so wenig Geld, dass ihre gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten stark begrenzt sind.

Wohlfahrtsverband fordert Sozialpädagogik statt Sanktionen

Der Paritätische Gesamtverband fordert deshalb unter anderem auch Änderungen bei Sozial- und Arbeitslosenhilfe.

Nach Meinung des Wohlfahrtsverbandes solle der Hartz-IV-Regelsatz sofort von 424 auf 582 Euro angehoben werden. Außerdem solle Hartz-IV zu einem „echten Unterstützungsystem“ mit sozialpädagogischen Hilfen anstelle von Sanktionen umgebaut werden.