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Hans Liedtke
Hans Liedtke, SWR3; Foto: SWR3
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Darf eine Regierung vorschreiben, wann die Bürger Sex haben? In Indonesien drängen konservative Kräfte auf ein Gesetz, dass Sex vor der Ehe strafbar machen soll. Durch neue Gesetze könnte auch die Korruptions-Gefahr steigen. Nicht nur Studierende wehren sich dagegen.

Sprechchöre, Protestgesänge, Steine prasseln auf die Plexiglasschilde der Polizisten, Barrikaden brennen. Seit über eine Woche schon protestieren in ganz Indonesien die Studierenden, immer wieder kommt es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Zwei Demonstrierende starben, über 300 Menschen wurden verletzt.

Sex außerhalb der Ehe soll künftig strafbar sein

Polizisten und Demonstrierende in Indonesien; Foto: picture alliance/Hariandi Hafid/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa

Polizei feuert mit Wasserwerfern auf Demonstrierende.

picture alliance/Hariandi Hafid/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa

Die Wut gilt einer Strafrechtsreform, die einerseits die Rechte der Anti-Korruptionsbehörde massiv beschneiden soll. Korruption ist ein großes Problem in dem Inselstaat. Kritiker befürchten, dass künftig der Willkür, Bestechung und Erpressung durch Polizisten und andere Amtsträger Tür und Tor geöffnet werde. Im Korruptions-Index des Vereins Transparency International liegt Indonesien auf Platz 89 von 180.

Die zweite geplante Gesetzesänderung ist ein Zugeständnis an die konservativen Muslime im Land: Sex außerhalb der Ehe soll künftig strafbar sein. Andreas Harsono von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch spricht von einem Desaster:

Nicht nur für Minderheiten wie Schwule, Lesben oder Transgender. Sondern für alle Indonesier. Es wird das Land von oben nach unten kehren. Es wird die Wirtschaft beschädigen, es wird den Tourismus berühren. Es wird Leute dazu bringen, ihre Nachbarn auszuspionieren, es öffnet dem Denunziantentum Tür und Tor. Es wird ein Desaster für Indonesien sein.

Andreas Harsono von Human Rights Watch


Verbot von außerehelichem Sex gilt nicht nur für Indonesier

Das geplante Verbot von außerehelichem Sex gilt natürlich nicht nur für Indonesier. Welches internationale Unternehmen also wird künftig noch Mitarbeiter mit unverheirateten Lebenspartnern nach Jakarta schicken? Welches junge Paar noch Urlaub auf Bali machen wollen, wenn es befürchten muss, von Tugendwächtern angezeigt zu werden?

Präsident Joko Widodo hat die Abstimmung über die umstrittene Reform erst einmal verschoben. Weniger wegen der massiven Proteste – glaubt Menschenrechtsaktivist Harsono – sondern wegen der möglichen wirtschaftlichen Folgen.

Präsident Jokowi hat dieses Gesetz ursprünglich unterstützt. Aber nach Reisewarnungen aus Australien, nach Warnungen des Gourvernours von Bali und einigen anderen Touristenhochburgen, hat Jokowi begriffen, dass dies ein Problem werden könnte – wirtschaftlich.

Andreas Harsono von Human Rights Watch


Die Regierungspläne offenbaren den wachsenden Einfluss konservativer Muslime in einem Land, das lange für seinen toleranten und weltoffenen Islam berühmt war.