Autor
Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt, SWR3; Foto: SWR3
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Beim Bier in der Kneipe wird über alles mögliche diskutiert – auch über Religion. Diese Idee muss hinter einer Aktion stecken, die gerade für viel Aufregung sorgt. Denn: In der Stadt Maintal in Hessen wurden Bierdeckel verteilt, die zum Austausch über den Islam anregen sollen. Doch daran gibt es jetzt Kritik.

Maintal ist ganz in der Nähe von Frankfurt. Deshalb trinkt man dort eher Apfelwein als Bier. Das sieht man auch an den umstrittenen Pappuntersetzern. Auf denen ist nämlich ein Apfelweinkrug, ein passendes Glas und eine Frage rund um das Thema Islam aufgedruckt. Auf hessisch ist darauf zum Beispiel zu lesen:

  • „Wie is des mit dem Koppduch?“ (Wie ist das mit dem Kopftuch?)
  • „Wie is des bei de Muslime mittem Wuzzeflaasch?“ (Wie ist das bei den Muslimen mit dem Schweinefleisch?)
  • „Derfe die Fußballer im Ramadan garnix esse?“ (Dürfen die Fußballer im Ramadan gar nichts essen?)

Wenn man den Untersetzer umdreht, findet man einen QR-Code. Den kann man dann mit der Smartphone-Kamera scannen und landet auf Internetseiten der Stadt Maintal, auf denen die gestellten Fragen beantwortet werden.

Umstrittene Aktion in Maintal: Bierdeckel mit Fragen zum Islam auf hessisch liegen auf einem Tisch; Foto: picture alliance/Stadt Maintal/dpa

Auf die Getränkeuntersetzer wurden zehn verschiedene Fragen gedruckt.

picture alliance/Stadt Maintal/dpa

Die Idee stammt vom Verein Orient-Netzwerk, der von Freiburger Studenten gegründet wurde. Eine ähnliche Aktion gab es deshalb auch schon rund um Freiburg. Damals waren ähnliche Fragen auf badisch übersetzt und ebenfalls auf Bierdeckel gedruckt worden. Auch auf sächsisch gab es die Aktion schon.

Muslimische Bürger beschweren sich über Aktion

In Maintal stößt das Projekt, das eigentlich zur Völkerverständigung gedacht war, allerdings gar nicht auf Begeisterung. Das Problem: Durch den auf dem Untersetzer aufgedruckten Bembel wird der Islam mit Alkohol in Verbindung gebracht und strenggläubige Muslime trinken keinen Alkohol.

Beim Ausländerbeirat der Stadt sind deshalb nach eigenen Angaben schon Beschwerden eingegangen. Und auch der Ausländerbeirat selbst übt Kritik. „Unsere Meinung war hier nicht gefragt“, sagte der Vorsitzende Salih Tasdirek dem Hessischen Rundfunk. Man habe den Beirat auch nicht vorab über die Information informiert, kritisiert er weiter. Und fordert: Die Stadt soll die noch nicht verteilten Untersetzer vernichten und die Aktion einstellen.

Integrationsbeauftragte verteidigt das Projekt

Die Maintaler Integrationsbeauftragte Verena Strub verteidigt das Projekt jedoch. Dem Hessischen Rundfunk erklärte sie, man habe über den Islam informieren und aufklären wollen. „In einer relativ neutralen Form, auf einer humorvollen Ebene“, sagte sie.

Die Kritik des Ausländerbeirats könne sie nicht nachvollziehen. „Hier wird nicht Alkohol mit dem Islam in Verbindung gebracht“, so Strub. Es handele sich um Getränkeuntersetzer, auf die man alles Mögliche stellen könne. Der Apfelweinkrug stehe nicht für Alkohol, sondern sei wie das ebenfalls abgebildete Schützenhaus und eine Kirche ein Symbol für die Region.

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